Biedermann deckt Karten nicht auf - Maurer feiert Bronze

Freiwasser-Königin Angela Maurer reiste mit Bronze von ihren vielleicht letzten Titelkämpfen heim, jetzt will Weltrekordler Paul Biedermann einen glanzvollen WM-Abschied hinlegen.

Biedermann deckt Karten nicht auf - Maurer feiert Bronze
Martin Schutt Biedermann deckt Karten nicht auf - Maurer feiert Bronze

Bei seinen voraussichtlich letzten Schwimm-Weltmeisterschaften erfüllte der Weltjahresbeste mit dem gelösten Olympia-Ticket der Freistil-Staffel über 4 x 100 Meter Freistil zur Einstimmung schon mal die Pflicht. «Das ist soweit jetzt erstmal okay und im Rahmen», sagte Biedermann. Sein erster Eindruck galt am Sonntag für das gesamte Beckenteam in Kasan, bei vier von acht Einzelstarts glückten persönliche Jahresbestleistungen.

Gut ein Drittel der WM-Medaillen sind vergeben, in der zweiten Titelkampf-Hälfte sind Stars wie Biedermann, Ryan Lochte (USA) oder Missy Franklin (USA) im Becken bei den 42 Entscheidungen Hauptdarsteller. Nach einer wechselhaften WM-Woche aus deutscher Sicht mit glücklosen Wasserspringern und auch ohne den zurückgetretenen Rekordweltmeister Thomas Lurz erfolgreichen Freiwasserschwimmern sollen nun die bei Olympia 2012 und der WM 2013 so enttäuschenden Becken-Asse die bescheidene Ausbeute aufbessern. Viel steht und fällt mit Biedermann, der am Montag auf seiner Lieblingsstrecke 200 Meter Freistil angreift.

Mindestens sieben Medaillen sind das Gesamtziel. Die Ausbeuten von Shanghai 2011 (1-3-9) und Barcelona (3-3-4) werden bei aktuell einer Gold-, einer Silber- und zwei Bronzemedaillen schwierig zu erreichen oder gar zu toppen sein.

Nur die vier WM-Dekorierungen durch die Freiwassercrew stehen bisher in der Bilanz, die letzte steuerte die 40-jährige Maurer über 25 Kilometer bei. «Nach der Ära Thomas bin ich top zufrieden», erklärte Bundestrainer Stefan Lurz. Nach diesem «fantastischen Job des kleinen Bruders vom Beckenschwimmen», so Chef-Bundestrainer Henning Lambertz, nahm nach einem gemeinsamen Abend zumindest ein Quartett den «Schwung» mit.

Clemens Rapp erreichte in 3:47,19 Minuten als Achter das Finale über 400 Meter Freistil, Alexandra Wenk in 58,05 Sekunden als Sechste das Halbfinale über 100 Meter Schmetterling. Brustschwimmer Christian vom Lehn zog über 100 Meter in 1:00,01 als Zwölfter ins Halbfinale ein. Dreimal persönliche Bestzeit - und mit Jahresbestmarke von 59,67 Sekunden kam Hendrik Feldwehr als Sechster über 100 Meter Brust weiter. Mit Biedermann schwammen Maximilian Oswald, Steffen Deibler und Marco di Carli in 3:16,01 Minuten auf Platz elf und zum Olympia-Ticket.

Pech hatte die Damen-Staffel. Annika Bruhn, Dorothea Brandt, Wenk und Marlene Hüther fehlten nach 3:41,56 Minuten und dem 13. Platz am Ende 0,67 Sekunden. «Es ist uns nicht gelungen, jedes Quäntchen rauszudrücken», sagte Lambertz. Ein Olympia-Start ist über die Weltrangliste noch möglich. Bei der WM in Barcelona hatten beide Staffeln über 100 Meter Freistil noch die Finals erreicht.

Vier weitere Quotenplätze für die Freistil-Staffeln über 200 Meter und die Lagen-Quartette sollen bis zum Sonntag her, bislang ist die deutsche Ausbeute an Rio-Tickets dürftig. Nach einem Quotenplatz bei der EM verbuchten Kunstspringer Patrick Hausding und Turmspringer Sascha Klein je ein weiteres Startrecht. Die restlichen Plätze sollen im Februar bei einem Weltcup in der Olympia-Stadt gesichert werden.

Auch im WM-Fluss Kasanka lief trotz vierer Medaillen nicht alles glatt. Isabelle Härle holte über zehn Kilometer den einzigen von vier Startplätzen für die Sommerspiele, ein deutscher Mann kann es ihr im Juni nachmachen. Auch Maurer hatte ihre dritte Olympia-Teilnahme verpasst - ihre Zukunft ist offen. «Schauen wir mal, jetzt genieße ich erst einmal meinen Erfolg», sagte die 40-Jährige nach der zwölften WM-Medaille ihrer Karriere.