Biedermann nur knapp unter Vorlauf-Norm

Die Zweifel an Paul Biedermanns WM-Start wachsen. Der Weltrekordler unterbot bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Wuppertal nur knapp die geforderte Vorlaufnorm.

Biedermann nur knapp unter Vorlauf-Norm
Bernd Thissen Biedermann nur knapp unter Vorlauf-Norm

Nach seiner Trainingspause schwamm Biedermann in 1:45,16 Minuten nur 0,04 Sekunden schneller als die geforderte Zeit, drei Konkurrenten waren besser. Der 28-Jährige will erst am Wochenende nach den 400 Metern Freistil endgültig über einen Start bei der WM in zwei Wochen in Katar entscheiden.

«Im letzten Jahr hat mir das Dezember-Training sehr gut getan. Letztendlich zählt's auf der Langbahn. Ich muss jetzt gucken, was das Beste ist für mich», sagte Biedermann. Er deutete damit an, dass für ihn die Kurzbahn-WM keine Priorität hat. Mehr ließ sich an seinem Mienenspiel zwischen Lächeln und Pokerface nicht ablesen.

Für das Ticket nach Doha ist im Finale Platz eins oder zwei und die Norm von 1:44,80 Minuten gefordert. Schneller als Biedermann waren neben dem Vorlaufbesten Robin Backhaus (1:44,39) auch Yannick Lebherz und Clemens Rapp. Das Quartett hatte im August bei der Heim-EM in Berlin Staffel-Gold auf der Langbahn gewonnen.

Die WM-Qualifikation wird also nach der mehrwöchigen Trainingspause wegen Krankheiten alles andere als ein Selbstläufer, weiß auch Biedermanns Heimtrainer Frank Embacher. Sein Schützling müsste sich schon deutlich steigern, um in Doha konkurrenzfähig zu sein. «Mit einer 1:45 ist man international nirgends im Endlauf dabei, da muss man schon eine 1:43 schwimmen. Das ist noch ein ganz schöner Weg», sagte Embacher.

Sein langjähriger Athlet liegt momentan nur auf Platz 19 der Weltjahresbestenliste über 200 Meter Freistil. Für die nötige klare Leistungssteigerung scheint der Trainerfuchs aus Halle/Saale nicht allzu optimistisch zu sein: «Mit dem wenigen Training, was wir bisher gemacht haben, ist vielleicht auch nicht mehr drin. 1:43,0 wäre etwas, wo man sagen könnte, gut wir nehmen es in Angriff. Da sind wir aber eine ganz schöne Ecke weg.»

Embachers Freude über das gelungene Comeback von Daniela Schreiber währte nur kurz. Nach starken 53,70 Sekunden über 100 Meter Freistil in guten 53,70 Sekunden wurde Schreiber wegen eines Fehlstarts disqualifiziert. Die Kampfrichter störten sich an ihrem eigenwilligen Start mit erhobenen Armen. «Das ist eine komische Auslegung, international ist sie noch nie rausgeflogen, in Deutschland wird es anders gesehen», sagte Embacher und lächelte süffisant. Schreiber («Ich starte doch immer so») sprang dem Feld sogar hinterher und hatte daher keinen Zeitvorteil.

Entsprechend bedient war auch Chefbundestrainer Henning Lambertz. «Das ist typisch deutsch, wir machen uns unsere eigenen Probleme.» Schreiber kann sich nach langer Formkrise und verpasster Heim-EM aber noch über 200 Meter Freistil qualifizieren.