«Bild der Hoffnung» - Papst wirbt in der Türkei für Frieden

Der vorher so viel kritisierte Präsidentenpalast interessierte Papst Franziskus kaum. Kein Wort zu Bescheidenheit und Armut, nüchtern und sachlich ließ sich der Argentinier von seinem Gastgeber Erdogan vor dessen neuem Prunk-Palast in Ankara empfangen und durch die goldenen Türen führen.

Statt das umstrittene Anwesen «Ak-Saray» anzusprechen, nutzte Franziskus seinen Auftritt in der türkischen Hauptstadt für einen leidenschaftlichen Appell für Frieden in der krisengeplagten Region und einem Aufruf zu Religionsfreiheit. Auch den Gastgeber nahm er in die Pflicht.

Der 77-Jährige würdigte die Türkei als «natürliche Brücke zwischen zwei Kontinenten» und dankte ihm für die großzügige Aufnahme von Hunderttausenden Flüchtlingen. Er mahnte aber auch: «Die Türkei hat durch ihre Geschichte, aufgrund ihrer geografischen Lage und ihrer Bedeutung in der Region eine große Verantwortung.»

Für Frieden hält der Papst einen «starken gemeinsamen Einsatz» aller für notwendig - und sieht die Türkei dabei als Verbündeten. «Möge der Allmächtige die Türkei segnen und behüten; er möge ihr beistehen, ein tüchtiger und überzeugter Baumeister des Friedens zu werden», sagte Jorge Mario Bergoglio zum Abschluss seiner Rede.

Sein Gastgeber Erdogan hatte nur wenige Stunden zuvor mit scharfen Angriffen auf den Westen für Aufsehen gesorgt - doch beim Empfang für den Gast aus Rom war davon kaum etwas zu spüren. Die umstrittenen Aussagen waren kein Thema, harmonisch begegneten sich der Papst und der türkische Staatspräsident, schüttelten sich unter großem Applaus die Hand, hörten einander aufmerksam zu.

Das Treffen sei sehr produktiv gewesen, man teile viele Ansichten, lobte Erdogan das Oberhaupt der katholischen Kirche. «Das Bild, das heute hier in Ankara gezeichnet wurde, ist ohne Zweifel ein Bild der Hoffnung für die Welt», sagte er nach dem historischen Treffen, das ein Schritt zum globalen Frieden sein könne.

Zwar barg die Reise von Papst Franziskus in die Türkei längst nicht so viel Sprengstoff wie der Besuch seines Vorgängers Benedikt XVI. vor acht Jahren. Dennoch dürfte der Papst seine Worte sorgfältig abgewogen haben, wurde doch jeder seiner Schritte aufmerksam verfolgt.

Und dies nutzte Franziskus, um mit deutlichen Worten das Thema Religionsfreiheit anzusprechen und gleiche Rechte für Muslime, Juden und Christen zu fordern. Es war erwartet worden, dass Franziskus dieses Thema aufgreifen würde - doch die Deutlichkeit seiner Worte überraschte Beobachter.

Als leidenschaftlicher Kämpfer für den Frieden und Mahner präsentierte sich Franziskus. Auch auf die Situation der Christen im Nahen Osten und der Hunderttausenden Flüchtlinge, die ihm besonders am Herzen liegen, machte der Pontifex aufmerksam. Er beklagte mit eindringlichen Worten die Verfolgung von Christen und Jesiden, die Verletzung elementarer Menschenrechte, und die «dramatische Situation» an den Grenzen der Türkei.

Um das zu ändern, kann aus der Sicht des Papstes auch der interreligiöse Dialog einen wichtigen Beitrag leisten: «Auf diese Weise wird jede Form von Fundamentalismus und Terrorismus gebannt, welche die Würde aller Menschen erniedrigt.»