Bisher größter Streik trifft Amazon im Weihnachtsgeschäft

Auf dem Höhepunkt des Weihnachtsgeschäfts hat die Gewerkschaft Verdi den bisher größten Streik beim Online-Versandhändler Amazon begonnen. Am Montag legten Beschäftigte in fünf Logistik-Zentren in Bayern, Hessen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen die Arbeit nieder.

Am Dienstag solle Koblenz in Rheinland-Pfalz dazukommen, teilte Verdi mit. Damit werde erstmals in sechs der neun deutschen Amazon-Lager gleichzeitig gestreikt. Der Ausstand soll bis Mittwochabend andauern.

Nach Verdi-Angaben beteiligten sich am Montag fast 2300 Beschäftigte an den Arbeitsniederlegungen in Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne und Graben. Der Zeitpunkt ist gezielt gewählt: 2013 war der 15. Dezember der Spitzen-Bestelltag in Deutschland. Bundesweit arbeiten bei Amazon im Weihnachtsgeschäft dem Unternehmen zufolge rund 20 000 Menschen - 10 000 Festangestellte und 10 000 Saisonkräfte.

«Die Beschäftigten erhöhen den Druck auf Amazon. Das Unternehmen stößt mit seiner Blockadehaltung, überhaupt über einen Tarifvertrag zu verhandeln, auf immer mehr Widerstand», erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. «Wenn Amazon sich nicht bewegt, bewegen sich die Kollegen», sagte Verdi-Sprecher Thomas Schneider in Leipzig.

Die Gewerkschaft will bei Amazon einen Tarifvertrag zu den Konditionen des Einzelhandels durchsetzen. Amazon lehnt das strikt ab. Der US-Konzern sieht sich selbst als Logistiker. Die Bezahlung der Mitarbeiter in den neun deutschen Versandlagern liege am oberen Ende dessen, was in der Logistik-Branche üblich sei. Eine Einigung ist nicht in Sicht - Verdi ruft schon seit 2013 immer wieder zu Ausständen auf.

Die Einschätzungen zu den Auswirkungen der Arbeitsniederlegungen gehen weit auseinander. «Wir liefern pünktlich», betonte Amazon-Sprecherin Anette Nachbar. An den Streiks nehme nur eine Minderheit der Mitarbeiter teil.

Dagegen gehen Verdi-Sprecher davon aus, dass die Ausstände den Online-Versandhändler sehr wohl herausfordern. Karsten Rupprecht in Werne berichtete, dass Amazon bei Streiks «umlagere». Je mehr Versandzentren sich an den Ausständen beteiligten, desto schwieriger werde das aber. «Wir werden immer unberechenbarer», sagte Rupprecht.

Amazon verweist dagegen auf sein europaweites Netzwerk mit 28 Logistikzentren, das es ermögliche, die Liefertermine einzuhalten. Allein in Polen hatte das Unternehmen im September drei Versandzentren eröffnet.