BKA-Chef: Keine Hinweise auf weitere Anschlagspläne

 Nach der Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover gibt es laut BKA-Chef Holger Münch keine konkreten Hinweise auf einen weiteren Anschlag.

«Es bleibt bei der grundsätzlichen Einschätzung, dass wir in Deutschland eine ernstzunehmende aktuelle Bedrohungslage insgesamt haben, aber darüber hinaus haben wir jetzt keinen konkreten Hinweis auf ein weiteres Ziel», sagte der Präsident des Bundeskriminalam. «Dass die Bevölkerung sich jetzt mehr Sorgen macht, kann ich verstehen.»

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Roger Lewentz (SPD). Die Bedrohung bei dem ausgefallenen Spiel sei «sehr isoliert» gewesen, sagte der rheinland-pfälzische Ressortchef. Für künftige Fußballspiele, Weihnachtsmärkte und Karnevalsumzüge lägen keine Hinweise auf geplante Attentate vor. Lewentz betonte, die Polizei sei in höchster Bereitschaft, und appellierte an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren und zum Beispiel verdächtige Koffer den Sicherheitsbehörden zu melden.

Der BKA-Chef sagte, Hinweise zu möglichen Gefahren seien schwer einzuschätzen. Aus der Absage von Dienstagabend lasse sich nicht auf weitere Großveranstaltungen schließen. «Gestern war es so, dass wir es tun mussten», betonte Münch. «Die Absage war unvermeidbar.» Gerade weil das Spiel in Hannover eine hohe Symbolkraft haben sollte, sei der Entschluss nicht leichtfertig gefällt worden.

Münch erwartet einen langwierigen Kampf gegen den islamistischen Terror. «Wir stellen uns nicht auf einen Sprint ein, sondern auf einen Langstreckenlauf.» Islamisten sowie die rechte und linke Szene könnten aufeinander reagieren bis hin zu Gewalttaten.

Mit den Attacken in der französischen Hauptstadt habe der islamistische Terror in Europa eine neue Qualität erreicht. Waffen und Ziele deuteten auf eine «längere, konspirative Tatplanung» hin. Sollte sich dies bewahrheiten, wären es die ersten von der Terrormiliz IS gesteuerten Anschläge in Westeuropa gewesen. In Paris waren am Freitagabend bei einer Serie von Anschlägen 129 Menschen getötet worden.