Black Sabbath: Die Urväter des Heavy Metal treten ab

Black Sabbath: Vier unbedarfte Jungs aus England werden mit düsterer Musik zu einer der größten Bands des Planeten. Sie begründen das Genre des Heavy Metal und stoßen die Karriere dessen schillerndster Gestalt an - die von Ozzy Osbourne.

Black Sabbath: Die Urväter des Heavy Metal treten ab
Balazs Mohai Black Sabbath: Die Urväter des Heavy Metal treten ab

Nach beinahe 50 Jahren Bandgeschichte und zwei Dutzend Mitgliedern sind Black Sabbath nun fast in Originalbesetzung auf ihre Abschiedstournee «The End».

Abseits von vielzitierten Anekdoten um Vollrausch, Exzess und Okkultismus gibt es wenige Bands, die mehr Einfluss auf ein Genre hatten. Doch dass sie die Legenden werden, die sie heute sind, schien während einer jahrzehntelangen Schmierenkomödie wie eine Fantasie aus dem Drogenrausch. Black Sabbath spielen drei letzte Auftritte in Deutschland: Am Wochenende bei den Festivals Rock im Park und Rock am Ring, nächste Woche auf der Berliner Waldbühne.

Geboren kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, wabern Ozyy Osbourne, Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward durch die Band-Szene der desolaten Industriestadt Birmingham, bis sie 1968 zueinander finden. Sie treten unter verschiedenen Namen auf, bis sie einen gespenstischen Song schreiben, den sie nach dem Boris-Karloff-Film «Black Sabbath» nennen - und bald darauf die Band gleich mit.

An einem Freitag, dem 13., erscheint das erste Album, aufgenommen an einem Tag. Regen und Donner, Totengeläut, die verzerrte Gitarre, das leidende Jaulen, langsam, düster, ominös: 1970 wurde der Grundstein für Heavy Metal gelegt. «Wir betrachteten uns einfach als Blues-Band, die sich entschlossen hatte, ein bisschen gruselige Musik zu schreiben», schreibt Ozzy nonchalant in seiner Autobiografie.

Entscheidenden Einfluss hatte ein Arbeitsunfall von Iommi: Der Gitarrist verliert zwei Fingerkuppen. Ein tiefer gestimmtes Instrument hilft ihm, mit Prothesen weiterzumachen - und bestimmt den brachialen Sound der Band zu einer Zeit, als eine der meistverkauften Singles im Vereinigten Königreich das zuckersüße «Sugar Sugar» von den Archies, einer fiktiven Zeichentrick-Teenieband, ist.

«Der Grund, warum sie so schnell so riesig wurden, war, dass sie einfach wie niemand sonst klangen», schreibt Mick Wall in seiner Band-Biografie «Symptom of the Universe». «Sie klangen, als wäre es ihnen wirklich, wirklich scheißegal, und sie luden dich ein, darin zu schwelgen.»

Noch im selben Jahr wie das Debütalbum erscheint der Nachfolger «Paranoid», das mit dem gleichnamigen Song den einzigen echten Single-Hit der Band enthält. Vier weitere Alben folgen bis 1975, allesamt erfolgreich und zumindest heute von der Kritik gelobt - fast alle Stücke, die sie auf ihrer Abschiedstournee spielen, stammen aus dieser kreativen Zeit. Doch das Image der Band ruft hysterische Anschuldigungen wegen Teufelsanbetung und Götzenverehrung hervor. «Uns gefiel einfach das Theatralische am Satanismus», schreibt Ozzy. Umgedrehte Kreuze, Hexen und Grabsteine - alles Stilmittel.

Die Rollen sind klar verteilt: Osbourne ist Gesicht der Band, Frontmann und Derwisch. Gitarrist Iommi ist als Haupt-Songschreiber der kreative Fixpunkt, Bassist Geezer Butler schreibt die Texte, Ward drückt den Rhythmus mit pointierten Drums. Unzählige harte Bands betonen ihre Verehrung. «Das Genre Heavy Metal könnte genauso gut den Namen tragen: Musik, die von Black Sabbath abgeleitet ist», sagt Metallica-Drummer Lars Ulrich 2006 bei der Einführung von Black Sabbath in die Rock and Roll Hall of Fame.

Unermüdlich tourt die Band in den Siebzigern über immer größere Bühnen, doch Drogenexzesse und Stress zermürben. Ozzy: «Es war verblüffend, wie rasch das Kokain die Herrschaft über unser Leben errang.» Nach zwei müden Alben und chaotischen Tourneen fliegt er 1979 aus der Band. Nachfolger Ronnie James Dio verleiht der Band kurzzeitig neuen Schwung, doch in den folgenden Jahren rotiert das Personal durch Black Sabbath - einzige Konstante bleibt der künstlerische Kopf Tony Iommi.

So dümpeln sie durch die 80er und 90er Jahre, während Ozzy auch dank seiner Managerin und Ehefrau Sharon solo enorme Erfolge feiert. Punk, Glam Metal, Grunge: Andere Stilrichtungen überholen die Band, die einst Vorreiter war. Nun versucht sie verzweifelt, relevant zu bleiben - und scheitert. Die alte Chemie würde sich höchstens durch eine Reunion der Urbesetzung heraufbeschwören lassen, doch die findet nur für vereinzelte Auftritte und ein Live-Album Ende der 90er kurzzeitig zusammen.

Erst 2011 kündigen die Original-Black Sabbath mit «13» ein neues Studioalbum an. Am Ende klappt es fast - nur Drummer Ward bleibt den Aufnahmen und der folgenden Tour fern. «13» zitiert den Sound der Ursprungstage und kommt als erstes Album an die Spitze der deutschen Charts. Vergangenes Jahr dann kündigen Black Sabbath mit «The End» ihre Abschiedstournee an, wieder ohne Ward, der von Tommy Clufetos vertreten wird. «Es ist toll, mit den selben Leuten anzufangen und aufzuhören», sagt Iommi in einem Video der Band trotzdem. Ozyy ging schon in den 90ern einmal solo auf vermeintliche Abschiedstour. Jetzt sagt er: «Das ist nicht eine dieser letzten Touren, wo wir ein paar Jahre warten, und dann noch eine machen.»