Blatter sagt vor Ethikhütern aus - «Schweizer» des Jahres

FIFA-Präsident Joseph Blatter hat vor seiner Aussage vor den Ethikhütern des Fußball-Weltverbands seine Argumente gegen eine längere Sperre bekräftigt.

Blatter sagt vor Ethikhütern aus - «Schweizer» des Jahres
Walter Bieri Blatter sagt vor Ethikhütern aus - «Schweizer» des Jahres

Die Zahlung von zwei Millionen Franken an den ebenfalls suspendierten UEFA-Chef Michel Platini im Jahr 2011 sei völlig korrekt gewesen, beteuerte Blatter im Interview der Schweizer «Weltwoche». «Der Platini-Vertrag ging durch die Finanzkommission, durch das Exekutivkomitee und durch die Kontrollorgane. Er passierte auch den Kongress. Alles wurde abgesegnet», sagte Blatter.

Der 79-Jährige traf um kurz nach 8.00 Uhr in einer Limousine vor der FIFA-Zentrale in Zürich ein und sollte von 9.00 Uhr an vor der rechtsprechenden Ethikkammer aussagen. «Ich habe in meinen vierzig Jahren bei der FIFA weder gegen ethische noch juristische Regeln verstoßen», versicherte Blatter. Ein Urteil des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert in dem Fall wird für den 21. Dezember erwartet.

Platini sollte am Freitag von den Ethikhütern vernommen werden, verzichtet jedoch auf eine Aussage. Er wirft den Juristen eine Vorverurteilung und ein politisch motiviertes Verfahren vor, das seine Kandidatur für die Blatter-Nachfolge verhindern solle.

Auch Blatter erneuerte vor seiner Anhörung die Vorwürfe gegen die Ethikkommission. Er sei vor seiner vorläufigen Sperre für 90 Tage nicht zum Sachverhalt befragt worden. «So geht es nicht», sagte Blatter. Die Ethikhüter hatten dieser Darstellung schon vorher widersprochen.

Dennoch will Blatter weitere Sanktionen nicht hinnehmen. «Die Ethikkommission kann sich doch nicht einfach über den demokratischen Entscheid des Kongresses hinwegsetzen und den gewählten Präsidenten suspendieren, unter Umständen sogar lebenslänglich, wie jetzt anscheinend ernsthaft erwogen wird», sagte Blatter der «Weltwoche».

Sein Ziel ist es weiterhin, am 26 Februar den außerordentlichen FIFA-Kongress mit der Wahl seines Nachfolgers zu leiten. «Wie kann ich abtreten, wenn ich suspendiert bin? Das geht nicht», sagte er. Im Falle einer Verurteilung will Blatter alle Einspruchs-Instanzen durchlaufen. Er könnte sowohl vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS wie auch vor das Schweizer Bundesgericht ziehen.

Zuvor war Blatter von konservativen Zeitung «Weltwoche» zu Schweizer des Jahres» gekürt worden. In seiner aktuellen Ausgabe hebt das Blatt den derzeit suspendierten FIFA-Präsidenten auf den Titel und schwärmt von den «eindrücklichen Leistungen dieses Ausnahmeschweizers, der als eine Mischung aus Sonderbotschafter und Entwicklungshelfer rastlos um den Planeten tourte».

Der 79-Jährige werde verkannt, die Zeitung sieht in ihm einen «unermüdlichen und bewundernswerten Fußballkämpfer für eine bessere Welt». Blatter selbst sagt im Interview: «Eigentlich müsste man mir ein Diplom überreichen für das, was ich hier erreicht habe.»