Blick in den Himmel: Jecken zittern um Düsseldorfs «Zoch»

Es geht gemächlich zu in der Düsseldorfer Wagenbauhalle. Hier und da wird noch gehämmert, Hubwagen zwischen den Motivwagen umhergezogen, Bier getrunken. Bald soll der Rosenmontagszug an der Stadt am Rhein an den Start gehen - wenn es das Wetter denn will.

Blick in den Himmel: Jecken zittern um Düsseldorfs «Zoch»
Roland Weihrauch Blick in den Himmel: Jecken zittern um Düsseldorfs «Zoch»

Die Prognose ist unklar, erst wenige Stunden vor Beginn des «Zochs» soll entschieden werden, ob die Tore der Halle wegen einer Sturmwarnung geschlossen bleiben. Wagenbauleiter Torsten Langer sitzt am Sonntag in seinem Büro mit Blick auf die bunten Wagen: «Wir werden alles machen, dass wir fahren können.»

Woran Langer seinen Optimismus fest macht: Der Wind könnte weniger stark ausfallen. Der Sturm könnte auch viel früher kommen, als gedacht. Oder er dauert nur so kurz, dass der Zug auch ein kleines bisschen später starten könnte. Könnte. Langer mache sich keine Sorgen. Er wäre einfach nur traurig, wenn die Wagen am Montag in der Halle stehen bleiben müssten. «Aber das klappt. Und das ist nicht nur Zweckoptimismus», sagt er - ruhig und bestimmt.

Es wirkt ja auch absurd: Gerade bricht die Sonne durch die graue Wolkendecke und fällt durch die großen Fenster der Halle. Draußen weht es ein wenig, aber Sturm? Keine Spur.

Meteorologen korrigierten am Sonntag ihre Sturmprognose für Nordrhein-Westfalen an Rosenmontag aber noch einmal nach oben. Für den Vormittag werde Windstärke 8 bis 9, am Nachmittag teils auch Stärke 10 erwartet, sagt eine Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Essen. Ab Windstärke 8 wird der Zug abgesagt, so sieht es das Sicherheitskonzept des Düsseldorfer Karnevals vor.

Bei Renate Amon-Meller und Heinz Posentowsky ist die Stimmung ebenfalls getrübt - nicht nur, weil Amon-Meller ausgerechnet an den tollen Tagen erkältet ist. «Es ist kaum zu glauben. Ich rechne mit dem Schlimmsten», sagt sie mit Blick auf Montag. In Posentowskys 43 Jahren Karneval seien die Motivwagen schon durch mehrere Zentimeter Schnee gezogen, erzählt er. Morgen Zuhause bleiben? Da würde ihm das Herz bluten.

Gleichzeitig erinnert er sich an 1990, als der Zug abgesagt wurde. Sein Wagen sei zum Glück noch nicht herausgezogen worden, aber die vorderen waren schon vom Wind zerrissen. «Das war damals die vernünftige Entscheidung.» Dieses Jahr werde das auch die richtige Entscheidung getroffen. «Aber Bange machen gilt nicht.» Dann hakt Amon-Meller ihn ein, und die beiden ziehen weiter durch die Halle.

Im benachbarten Köln soll der Rosenmontagszug wie geplant starten - allerdings unter «präventiven Sicherheitsvorkehrungen», wie der Kölner Karneval am Sonntag mitteilt. Pferde und Pferdefuhrwerke sollen etwa aus dem Zug herausgenommen, auf Großfiguren, Trageschilder und Fahnen muss verzichtet werden. Auch in Mainz gibt es keine strikte Grenze, ab welcher Windgeschwindigkeit der Zug abgesagt wird. Dort wird überlegt, auf die «Schwellköppe», die überdimensionalen Pappmachéköpfe, zu verzichten.

Selbst wenn der Rosenmontagszug in Düsseldorf wie geplant stattfindet - ungemütlich wird es in jedem Fall. Tief «Ruzica» (gesprochen: Ruschiza) soll neben Sturm auch starken, anhaltenden Regen und womöglich sogar Gewitter in die Karnevalshochburgen bringen.

Vielleicht findet Karnevalistin Edith auch deshalb die Idee eines Rosenmontagszuges im Mai gar nicht so schlecht. «Hat auch was, find' ich», sagt die Frau im bunten Bommel-Kostüm - leise, so als dürfte es niemand hören. Natürlich glaube auch sie, dass es an diesem Montag klappt. Aber sie feiere eben auch schon seit Donnerstag ausgelassen. Am Tulpensonntag besucht sie mit ihrer Freundin Dagmar das Treiben auf der Düsseldorfer Königsallee. So auch Eleonore Ibheis, die als Lappenclown verkleidet ist: «Ein bisschen Wind kann man ja ab.» Und außerdem habe der «Liebe Gott» ja auch einen Tag vor Rosenmontag gutes Wetter gebracht.

Der Blick in den Himmel und ein letztes Stoßgebet scheinen nicht nur für Ibheis der letzte Rockzipfel zu sein, an dem sie sich festhält. Auch Wagenbauleiter Langer sagt, er sei am Samstag noch in der Kirche gewesen - und habe eine Kerze für den «Zoch» angezündet.