Blutbad in Österreich: Im Keller Hinweise auf weitere Taten

Der Jäger und mutmaßliche Wilderer, der in Österreich vier Menschen und sich selbst getötet haben soll, könnte noch mehr Verbrechen begangen haben.

Blutbad in Österreich: Im Keller Hinweise auf weitere Taten
Robert Jaeger Blutbad in Österreich: Im Keller Hinweise auf weitere Taten

In einem Geheimraum im Keller seines Bauernhauses im niederösterreichischen Bezirk Melk fanden Beamte Hinweise auf weitere Straftaten, wie ein Polizeisprecher der dpa bestätigte. Dort entdeckten die Einsatzkräfte in der Nacht zu Mittwoch auch eine brennende Leiche, die wahrscheinlich der Körper des Gesuchten ist. Eine DNA-Analyse soll Klarheit bringen.

Was in dem Kellerversteck war und um welche Straftaten es sich handeln könnte, wollte der Polizeisprecher nicht sagen. Es liefen aber Ermittlungen, weil der Mann vor der Tat einen Mordversuch gegen einen Jäger unternommen haben soll, so der Sprecher. Ob es sich bei den im Keller gefundenen Hinweisen um diesen Fall oder Wilderei handelt, führte er nicht aus.

Der Jäger und mutmaßliche Wilderer Alois H. hatte seit der Nacht zu Dienstag drei Polizisten und einen Sanitäter erschossen, um seiner Festnahme zu entgehen. Dann verschanzte er sich schwer bewaffnet in seinem Bauernhof im Bezirk Melk.

Hunderte Einsatzkräfte hatten das Anwesen umstellt. Am Abend stürmten sie es mit der Hilfe von Panzern. Die Durchsuchung dauerte Stunden. Durch begleitende Ermittlungsarbeit erfuhr die Polizei laut Sprecher von einem Versteck, dass nur durch eine Geheimtür zu erreichen war. «Die Einsatzkräfte haben die Tür geöffnet und wollten in den Raum eindringen, im Raum selbst hat es aber gebrannt», so Scherscher. Der zuströmende Sauerstoff fachte die Flammen zusätzlich an. Als das Feuer gelöscht wurde, habe man die verbrannte Leiche entdeckt.

Am Anfang des Blutbades stand der Versuch der Polizei, einen brutalen Wilderer zu stellen. Dieser soll aus einem fahrenden Wagen immer wieder Hirsche erschossen und ihnen dann den Kopf abgetrennt haben. Die Körper der Tiere ließ er liegen. Eine Spezialeinheit der Polizei sollte den Tierquäler fassen.

Mit einer Polizeisperre sollte der Wilderer in einem Wald bei Annaberg gestellt werden. Ob es sich bei dem verfolgten Schützen aber tatsächlich um den Wilderer handle, wollte die Polizei nicht bestätigen. Der Täter durchbrach mit seinem Wagen eine Straßensperre und eröffnete sofort das Feuer. Er traf einen Beamten der Sondereinheit Cobra, der später im Krankenhaus starb.

Der Täter verließ seinen kaputten Wagen und versteckte sich im Wald. Als ein Rettungswagen für den Verletzten eintraf, eröffnete er erneut das Feuer. Der Fahrer des Rettungswagens wurde tödlich getroffen, ein zweiter Cobra-Beamte verletzt.

Auf der Flucht zu Fuß kaperte der Jäger einen Streifenwagen und erschoss einen darin sitzenden Polizisten. Ob er dessen Kollegen zunächst als Geisel nahm oder direkt erschoss, war zunächst unklar. Der Mann wurde später tot im Wagen gefunden. Mit dem Streifenwagen flüchtete der Schütze zu seinem Bauernhof im rund 70 Kilometer entfernten Großpriel bei Melk.

Dort verschanzte er sich und schoss immer wieder um sich. Am späten Nachmittag soll nochmals als letztes Lebenszeichen ein Schuss zu hören gewesen sein, berichtete die Polizei. Ein Verhandlungsteam sei vor Ort gewesen. Die Kontaktaufnahme habe sich aber schwierig gestaltet. Über ein mögliches Motiv des Mannes könne nur gerätselt werden, hieß es.

Nach Berichten österreichischer Medien galt der Täter als Waffennarr, der auch Handgranaten besessen haben soll. Da der Mann eine Langfeuerwaffe besitze, habe man das Gebiet um das Haus weiträumig absperren müssen. Nachbarn wurden aus ihren Häusern geholt, sagte ein Polizeisprecher.

Österreich reagierte erschüttert auf die Tat. Das österreichische Parlament gedachte der Opfer in einer Schweigeminute. Das Bundesland Niederösterreich ordnete Trauerbeflaggung an. «Mein volles Mitgefühl und meine tief empfundene Anteilnahme gilt in diesen Stunden den Angehörigen und den Kolleginnen und Kollegen der zu Tode gekommenen Einsatzkräfte», sagte Bundeskanzler Werner Faymann. Auch Politiker aller anderen Parteien zeigten sich betroffen.