Blutiger Tag in Bagdad: Autobombe tötet 60 Menschen

Bei einem der blutigsten Terroranschläge in diesem Jahr sind in der irakischen Hauptstadt Bagdad mindestens 60 getötet worden. Die Autobombe explodierte am frühen Morgen nur wenige Tage vor dem Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan in einem beliebten Einkaufsviertel.

Blutiger Tag in Bagdad: Autobombe tötet 60 Menschen
Ali Abbas Blutiger Tag in Bagdad: Autobombe tötet 60 Menschen

Rund 100 Menschen wurden bei der Detonation in dem Stadtteil Karada verletzt, wie die Polizei meldete. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich im Internet zu der Tat und sprach von einem Selbstmordanschlag. Das Attentat in Bagdad kommt nur wenige Tage nach der IS-Terrorattacke in Bangladesch mit 22 Todesopfern und dem blutigen Angriff auf den Flughafen in Istanbul, der ebenfalls den Extremisten zugeschrieben wird.

Fernsehbilder irakischer Sender zeigten ausgebrannte Autowracks und stark beschädigte Gebäude. In der Stellungnahme erklärte der IS, der Attentäter habe Schiiten angegriffen. Die sunnitische Terrormiliz sieht Schiiten als Abtrünnige an. Die IS-Erklärung konnte zunächst nicht verifiziert werden. Schon in der Vergangenheit hatte sich die Miliz zu zahlreichen Anschläge im Irak bekannt.

Die Extremisten kontrollieren im Irak zwar immer noch große Teile des Landes, sind aber zuletzt stark unter Druck geraten. Ende Juni konnten die irakische Armee und schiitische Milizen die sunnitische Miliz aus ihrer Hochburg Falludscha im Westen des Landes vertreiben. Als einzige große Stadt im Irak bleibt den Extremisten nur noch Mossul im Norden. Immer wieder ist zu beobachten, dass der IS seine Terroranschläge verschärft, wenn er militärisch unter Druck gerät.

Schon vor Beginn des Ramadans, der in dieser Woche mit dem Fest des Fastenbrechens endet, hatten die Extremisten Attentate angekündigt. Im Irak verübt die Miliz ihre Anschläge meistens in Gegenden, die von Schiiten bewohnt werden. Damit will sie die Spannungen zwischen den beiden großen Strömungen des Islam im Irak weiter verschärfen.

Der Stadtteil Karada gilt als Hochburg des Hohen Islamischen Rates, einer der führenden schiitischen Kräfte im Land. In Karada liegen aber auch viele Restaurants, Hotels sowie die französische Botschaft.

Der irakische Regierungschef Haider al-Abadi besuchte den Anschlagsort und kündigte Vergeltung an, wie die Nachrichtenseite Al-Mada berichtete. Die Attentate des IS seien «verzweifelte Versuche», nachdem die Terrororganisation «auf dem Schlachtfeld vernichtet worden ist».

Allerdings zog sich Al-Abadi wegen der Wut der Anwohner schnell wieder zurück, wie die Nachrichtenseite Al-Sumaria berichtete. Filme in Internet zeigen, wie der Autokonvoi des Regierungschefs mit Steinen beworfen wird.

Widersprüchliche Angaben gab es zu einer zweiten Explosion im Norden Bagdads, bei der neun Menschen getötet und elf verletzt wurden. Lokale Medien berichteten von der Detonation einer Bombe in dem vor allem von Schiiten bewohnten Stadtteil Al-Schaab. Das Innenministerium erklärte hingegen, in der Gegend sei ein Feuer ausgebrochen und habe eine Explosion in einem Laden ausgelöst.