BMW verliert an Schwung

Nach den überraschend hohen Gewinnen im Frühjahr hat BMW zum Auftakt der zweiten Jahreshälfte etwas an Schwung verloren.

Der Überschuss lag im dritten Quartal mit 1,3 Milliarden Euro im Vorjahresvergleich sogar um 1,2 Prozent niedriger, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Dennoch verteidigen die Münchner souverän ihre Spitzenposition in der Oberklasse. Der Absatz der Marke BMW kletterte um 6,9 Prozent auf 433 145 Fahrzeuge. BMW liegt damit weiter vor der Konkurrenz von Audi und Daimler.

Die Gründe für den leichten Gewinnrückgang finden sich vor allem abseits des Kerngeschäfts. So zahlten die Münchner mehr Steuern und mussten unter anderem ihre Beteiligung an dem angeschlagenen Partner SGL deutlich abwerten.

Ohne diese Effekte kletterte der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 17 Prozent auf 2,26 Milliarden Euro und damit stärker als von Experten erwartet. Denn vor allem das SUV-Modell X5 verkaufte sich sehr gut: In den ersten neun Monaten stiegen die Auslieferungen um mehr als ein Drittel.

Der BMW-Konzernumsatz stieg um 4,5 Prozent auf 19,6 Milliarden Euro. Bei Investoren stießen die Zahlen aber auf Skepsis: BMW-Aktien lagen zu Börsenbeginn mit 1,30 Prozent im Minus.

Insgesamt verschob sich der Modellmix bei BMW im Sommer etwa durch den Anlauf des neuen Mini hin zu kleineren Autos. Diese werden immer wichtiger, denn sie helfen BMW dabei, die CO2-Auflagen in der Europäischen Union einzuhalten - spülen aber weniger Gewinn in die Kassen.

Verglichen mit dem zweiten Quartal ging der operative Gewinn deutlich zurück, weil die Kosten für Investitionen und neue Produktanläufe stiegen. Für Forschung und Entwicklung gab BMW im dritten Quartal rund 100 Millionen Euro mehr aus als zwischen April und Juni.

Dazu kommt die weiterhin schwierige Lage auf dem Heimatkontinent. Dort kämpfen die Hersteller mit teils harten Bandagen um die wenigen Neukunden - und räumen dabei nach wie vor Rabatte ein. Zwar habe sich das Preisniveau in Europa zuletzt etwas verbessert - sei aber «schlechter als erwartet», hatte Konzernchef Norbert Reithofer kürzich auf dem Pariser Autosalon erklärt.