Bündnis von Hooligans und Rechten nicht neu

So überraschend und erschreckend die Gewalt der Hooligans in Köln für viele auch war - ihr Bündnis mit Neonazis und Rechten ist laut Fanforscher Gunter A. Pilz nicht neu.

Bündnis von Hooligans und Rechten nicht neu
Caroline Seidel Bündnis von Hooligans und Rechten nicht neu

«Diesen Zusammenschluss gibt es schon seit dem Frühjahr 2012», sagt der Soziologe von der Universität Hannover im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Damals hätten sich auf einer Feier des Dortmunder Rechtsextremisten Siegfried Borchardt mehrere eigentlich verfeindete Hooligan-Gruppen zusammengeschlossen. Trotz des nun neu gefundenen gemeinsamen Feindbildes, den Salafisten, glaubt Pilz aber nicht, dass sich die «temporären Kampfgemeinschaften» dauerhaft halten.

Frage: Herr Pilz, sind solche «temporäre Kampfgemeinschaften», wie Sie sie nennen, wirklich ein völlig neues Phänomen?

Antwort: Nein. So etwas hat es schon immer gegeben. In den 1980er Jahren haben etwa Hooligans, die sich unter der Woche bei Bundesligaspielen gegenseitig verprügelt haben, bei Länderspielen Seite an Seite gestanden, um gegen einen gemeinsam ausgemachten Feind vorzugehen. Deshalb kann man sich schon mal besorgt Gedanken machen, wie das bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich sein wird, wenn sich jetzt in so kurzer Zeit 4000 Hooligans und Rechtsradikale mobilisieren lassen.

Frage: Tendieren deutsche Hooligans generell zum Rechtsextremismus?

Antwort: Nein. Die Szene, die sehr stark gewaltfasziniert ist, war eigentlich immer weitgehend unpolitisch und hat sich gegen jeden Vereinnahmungsversuch von Rechtsradikalen widersetzt. Meine Vermutung ist, dass wir in diesem Bereich, wo sich Rechte und Hooligans zusammenschließen, eher die sogenannten Proll-Hools haben, also Hooligans mit einem niedrigen Bildungsstand. Dagegen stehen die sogenannten Yuppie-Hools, die eher aus dem Bildungsbürgertum kommen.

Frage: Aber es gibt doch bei vielen Fußballvereinen Hooligans mit rechter Gesinnung, etwa in Dortmund die Borussenfront. Wie passt das in das unpolitische Bild der Hooliganszene?

Antwort: Das ist richtig, aber das waren immer nur Splittergruppen. Und die waren zwischenzeitlich auch in der Versenkung verschwunden. Wenn sie nun wieder zum Vorschein kommen, ist das eine Art Renaissance und vielleicht auch ein Stück weit ein Aufbäumen gegen das Verschwinden in der Bedeutungslosigkeit.

Frage: Welche Konsequenzen ergeben sich aus den Ereignissen in Köln?

Antwort: Es war der Versuch der Hooligans, demokratische Anerkennung zu finden. Wer gegen Salafisten ist, kriegt dafür Anerkennung. Ich bin aber ein bisschen optimistisch, dass das, was in Köln passiert ist, das Ziel der Hooligans konterkariert. Die Brachialgewalt, die da ausgebrochen ist, hat mit Sicherheit nicht zu gesellschaftlicher Anerkennung geführt.

Frage: Im November soll in Berlin bereits die nächste Demonstration der Hooligans geplant sein. Wird es künftig also auch in anderen Städten zu solchen Ausschreitungen kommen?

Antwort: Ausschließen kann man es nicht. Umgekehrt weiß man: Köln wurde ausgewählt, weil es die Hochburg der Salafisten in Deutschland ist. Aber man muss davon ausgehen, dass sie auch versuchen werden in anderen Städten ähnliche Duftmarken zu setzen. Das gab es ja auch im Vorfeld in anderen Städten. Ich bin aber optimistisch, dass das, was in Köln passiert ist, in der Weise nicht nochmals passieren wird.

ZUR PERSON: Der Soziologe Gunter A. Pilz am Institut für Sportwissenschaft der Leibniz Universität Hannover gilt als einer der renommiertesten Experten im Bereich Rechtsextremismus im Sport.