Boeing lässt «Dreamliner»-Debakel vergessen: Geschäft brummt

Noch zu Jahresbeginn sorgte der «Dreamliner» mit einer Pannenserie für Negativschlagzeilen. Doch das scheint die Kunden von Boeing nicht verschreckt zu haben. Zuletzt liefen die Geschäfte ausgezeichnet.

Boeing lässt «Dreamliner»-Debakel vergessen: Geschäft brummt
Michael Nelson Boeing lässt «Dreamliner»-Debakel vergessen: Geschäft brummt

Der Airbus-Rivale weckt nach einem glänzenden Sommergeschäft nun sogar höhere Erwartungen an das Gesamtjahr. Der US-Konzern profitierte dabei erneut von seinen Kassenschlagern für die Mittel- und Langstrecke, der Boeing 737 und 777. Die Pannenserie beim neuesten Modell 787 «Dreamliner» rückt zunächst in den Hintergrund.

Im dritten Quartal sprang der Gewinn von Boeing im Vergleich zum Vorjahreszeitraum überraschend um 12 Prozent auf annähernd 1,2 Milliarden US-Dollar (872 Mio Euro) hoch. Konzernchef Jim McNerney erwartet deshalb auch für das Gesamtjahr mehr Profit als bislang, wie er am Mittwoch am Sitz in Chicago ankündigte.

Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung auf die Nachricht. Im frühen US-Handel legte das Papier um 6 Prozent zu und stand damit mit Abstand an der Spitze des Leitindex Dow Jones. Analysten hatten für den Sommer mit einem Gewinnrückgang gerechnet.

McNerney verwies auf ein starkes Geschäft in allen Sparten. Neben Verkehrsmaschinen stellt Boeing auch Kampfjets, Militärtransporter, Drohnen und Satelliten her. Der Quartalsumsatz kletterte um 11 Prozent auf 22,1 Milliarden Dollar und übertraf damit ebenfalls die Erwartungen der Branchenexperten.

Dabei hatte der europäische Rivale Airbus den Amerikanern erst vor zwei Wochen einen herben Schlag versetzt. Die Fluggesellschaft Japan Airlines, bislang treuer Boeing-Kunde, bestellte auf einen Schlag 31 Exemplare des neuen Airbus-Langstreckenjets A350. Die Amerikaner zogen mit der modernisierten Version ihres Kassenschlagers 777, der 777-X, den Kürzeren.

Boeing-Marketingmanager Randy Tinseth beteuerte am Mittwoch in Tokio, dass der Hersteller noch in diesem Jahr über den Bau der 777-X entscheiden wolle. Der Flieger käme aber erst um das Jahr 2020 auf den Markt und damit bis zu sechs Jahre später als die A350.

Japan Airlines gehörte zu den ersten Kunden des etwas kleineren «Dreamliners» und musste sich mit den Pannen herumschlagen. Zu Jahresbeginn hatten Brände in den Batterien zu einem dreimonatigen Flugverbot geführt. Auch danach kam es immer wieder zu technischen Fehlern und Flugausfällen.

Dennoch gibt es eine starke Nachfrage nach dem Typ, denn der «Dreamliner» ist dank seiner leichten Konstruktion aus Verbundmaterialien und seiner neuen Triebwerke sehr sparsam. Boeing fährt die Produktion nun schneller hoch als geplant. In diesem Jahr will der Hersteller weiterhin mehr als 60 «Dreamliner» ausliefern.

Schlechter sieht es beim größten Boeing-Flieger, dem modernisierten Jumbo-Jet 747-8 aus. Weil seit langem kaum Bestellungen für das Modell eingehen, fährt Boeing die Produktion weiter zurück. Größter Abnehmer der Passagierversion ist die Deutsche Lufthansa. Sie zeichnet alleine für 19 der 40 Bestellungen verantwortlich. Fast die Hälfte der georderten Jets hat sie bereits erhalten.

Insgesamt sollen in diesem Jahr weiterhin 635 bis 645 Flieger die Werkshallen bei Boeing verlassen. Den Gesamtumsatz sieht das Management anhaltend bei 83 bis 86 Milliarden Dollar.