Britischer Maler Frank Auerbach im Kunstmuseum Bonn

Einige Wochen bevor Frank Auerbach acht Jahre alt wurde, schickten ihn seine Eltern mit dem Kindertransport nach England.

Britischer Maler Frank Auerbach im Kunstmuseum Bonn
Rolf Vennenbernd Britischer Maler Frank Auerbach im Kunstmuseum Bonn

Es war ein Abschied für immer, denn man schrieb das Jahr 1939, und die Familie Auerbach aus Berlin war jüdisch. Franks Eltern - Verwandte von Marcel Reich-Ranicki - starben in Auschwitz.

Aus ihm aber wurde ein Maler, der heute in England in einem Atemzug mit Francis Bacon (1909-1992) und Lucian Freud (1922-2011) genannt wird. In Deutschland dagegen hat es fast 30 Jahre lang keine Einzelausstellung mehr zu ihm gegeben. Diese Lücke füllt jetzt das Kunstmuseum Bonn. 71 Werke sind vom 4. Juni bis zum 13. September zu sehen.

Auerbach, mittlerweile 84 Jahre alt, gilt als Workaholic, der sieben Tage die Woche von morgens bis abends in seinem Atelier in Camden Town anzutreffen ist, das er bereits 1954 bezogen hat. Ganz früher hat er mal einen Ausflug nach Brighton oder Oxford gemacht, aber das gefiel ihm gar nicht. Angeblich hat er seit seinem achten Lebensjahr nur insgesamt vier Wochen außerhalb von Großbritannien verbracht - nach Deutschland ist er überhaupt nie mehr zurückgekehrt. Auch nach Bonn wird er nicht kommen.

Auerbach malt immer wieder die gleichen Menschen und Londoner Ecken. Die Menschen sitzen ihm schon seit Jahren nach einem festen Zeitplan Modell, insgesamt Hunderte Male. Und die Ecken sind die, die er sieht, wenn er aus der Tür tritt. Es geht ihm letztlich nicht um das Motiv, es geht ihm um das Malen an sich. Die Kunst ist: «Er wiederholt die Motive, aber nie das Bild», sagt Museumsdirektor Stephan Berg.

Auerbach malt ein Bild in wenigen Stunden, doch dann beginnt erst der eigentliche Schaffensprozess: Die Farbe wird so dick aufgetragen, dass manche Werke wie Skulpturen wirken - oder auch brutal wieder abgekratzt. Dieses Bearbeiten kann Monate oder sogar Jahre dauern.

Die Ergebnisse lassen sich in einem Katalog nicht wiedergeben, man muss um sie herumgehen, sie von Nahem und aus der Distanz betrachten. Dann entdeckt man plötzlich, wie viele unterschiedliche Rot- und Gelbtöne in einem zunächst schwarz erscheinenden Gemälde wie «To the Studios» stecken. Ein Bild von Auerbach, so heißt es, hält auch nach Jahren noch Überraschungen bereit.

Der Porträtist Lucian Freud - ebenfalls ein gebürtiger Berliner - verehrte Auerbach gerade deshalb. In seinem Wohnzimmer, in der Küche, im Flur - überall hingen Bilder von ihm. Die beiden Künstler waren eng befreundet. Mitunter tauschten sie gemeinsame Erinnerungen aus, zum Beispiel an deutsche Kinderbücher.