Bosch-Chef will schnelle Einigung auf neue Abgastests

Bosch-Chef Volkmar Denner fordert eine schnelle Einigung auf neue Regelungen für Abgasmessungen bei Autos.

Bosch-Chef will schnelle Einigung auf neue Abgastests
Daniel Naupold Bosch-Chef will schnelle Einigung auf neue Abgastests

«Wir müssen uns schnell mit Brüssel über den neuen, weltweit einheitlichen Testzyklus WLTP und die Real Driving Emissions, also die Emissionen im realen Fahrbetrieb einigen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Bis Ende dieses Jahres sollte das gelingen.»

Nach dem Skandal um die Manipulation von Messwerten schädlicher Stickoxide bei Dieselfahrzeugen von Volkswagen ist die Diskussion um diese Tests erneut in Gang gekommen. Die Werte werden in der Regel auf Prüfständen ermittelt, die keine realen Fahrbedingungen abbilden. Auch ohne Manipulation kommen also Unterschiede zustande. Umweltverbände kritisieren dieses Vorgehen seit langem. Am kommenden Mittwoch sollen in Brüssel voraussichtlich erste Vorentscheidungen über neue Abgastests getroffen werden.

Die Aufgabe für Zulieferer und Hersteller sei ganz klar, die derzeitige Differenz zwischen realen Emissionen und den Grenzwerten im Testzyklus zu verringern, sagte Denner. «Anspruchsvolle Grenzwerte für die Realemissionen forcieren die technische Weiterentwicklung, sie müssen aber technisch und wirtschaftlich erreichbar sein.»

Auch die Grundsätze für CO2-Regelungen von Autos für die Zeit nach 2020 gehören nach Meinung von Denner noch in diesem Jahr diskutiert. «Vorstellbar wäre, dass künftig die gesamte CO2-Emission sowohl vom Fahrzeug als auch vom Energieträger in die CO2-Bilanz einbezogen wird, also beispielsweise auch, wie der Treibstoff bzw. der Strom erzeugt wird», sagte Denner. Der Diesel sei beim aktuellen deutschen Strommix CO2-effizienter als elektrisch angetriebene Autos. Ein Großteil der deutschen Stromversorgung kommt aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken.

Gleichzeitig warb Denner für eine Kampagne für Dieselmotoren: «Wir können nicht warten, bis die Verbraucher noch verunsicherter sind.» Das Vertrauen könne vor allem mit Fakten wieder hergestellt werden. Aus diesem Grund befürwortet der Bosch-Chef auch die Einführung regelmäßiger und unabhängiger Kontrollmessungen auf Basis zertifizierter Messmethoden.

Bosch verkauft unter anderem Komponenten für Dieselfahrzeuge. Der Konzern hatte auch Bauteile für die Autos geliefert, in denen VW bei Abgastests geschummelt hat. Medienberichten zufolge hatte Bosch seinen Kunden Volkswagen schon 2007 gewarnt, dass der kommerzielle Einsatz der Software illegal wäre. Dazu lehnt der Konzern aber jede Stellungnahme ab.

Bei Bosch argumentiert man, dass sauberere Diesel und Benziner notwendig sind, bis die Batterietechnologie für Elektroautos soweit ist, dass sie sich an breiter Front durchsetzt. In Bezug auf CO2-Emissionen und Partikelausstoß seien die Werte moderner Dieselmotoren inzwischen «hervorragend». «Die aktuelle Herausforderung sind die Stickoxide, das müssen wir lösen.»

Lösungen dafür gebe es. «Die Technik gilt es nun, in die Breite zu bringen und dazu auch kostengünstige Lösungen zu entwickeln.» SCR-Katalysatoren, die den Stickoxid-Ausstoß verringern, verteuerten beispielsweise Fahrzeuge um mehrere hundert Euro. Er sei zuversichtlich, sagte Denner, dass es gelinge, beim Thema Stickoxide einen breiten Konsens unter den europäischen Herstellern und Zulieferern zu erzielen.

«Wenn der Verbrenner - also Benzin- und Dieselfahrzeuge - jetzt zu Unrecht in Misskredit gerät, stellt das die deutsche und europäische Automobilindustrie vor immense Herausforderungen», warnte Denner. Tausende Arbeitsplätze hingen an der Entwicklung und der Fertigung von Verbrennungsmotoren. Zu den möglichen wirtschaftlichen Folgen für Bosch selbst wollte Denner sich nicht im Detail äußern.

Der Konzern, der in großen Teilen noch vom klassischen Autogeschäft abhängt, forscht intensiv mit Blick neue Entwicklungen der Branche wie autonomes und vernetztes Fahren. Denner zeigte sich offen für eine Mitarbeit am Kartendienst Nokia Here, den Daimler, Audi und BMW im August für 2,8 Milliarden Euro gekauft hatten. «Hochaktuelle Karten sind eine wesentliche Voraussetzung für automatisiertes Fahren», sagte Denner. «Wir kooperieren mit jedem Partner, der dazu beitragen kann. Wir sind offen, was Partnerschaften - egal in welchen Konstellationen - betrifft.» Eine Kapitalbeteiligung sei dafür nicht unbedingt notwendig. Der Zulieferer arbeitet im Bereich solcher Karten bereits mit dem Navi-Anbieter Tomtom zusammen.