Bosch für transatlantische Kooperation bei Industrie 4.0

Bosch-Geschäftsführer Werner Struth hat sich für eine Zusammenarbeit zwischen Europa und USA bei Standards für digitale Prozesse in der Industrie ausgesprochen.

Bosch für transatlantische Kooperation bei Industrie 4.0
Britta Pedersen Bosch für transatlantische Kooperation bei Industrie 4.0

«Man erreicht die technologische Tiefe und Breite in den Geschäftsmodellen. Darin liegt die Kraft», sagte Struth, der bei dem Konzern für Industrietechnologie zuständig ist, der Deutschen Presse-Agentur im Vorfeld der Hannover Messe (25. bis 29. April).

Standards gelten als Grundvoraussetzung für die sogenannte Industrie 4.0. Darunter versteht man in Deutschland die Digitalisierung der industriellen Fertigung. Indem Produktionsteile mit Sensoren und Chips ausgestattet werden, können sie Informationen an Maschinen oder Zulieferer schicken. Auf diese Weise soll die Produktivität gesteigert werden. Die Standards sind gewissermaßen die Sprache, mit der Chips und Maschinen kommunizieren.

Bislang hatten das Industrial Internet Consortium (IIC) in den USA und die Plattform Industrie 4.0 in Deutschland unterschiedliche Standards verfolgt. Im März einigten sich beide auf eine Zusammenarbeit. Die sogenannten Referenzarchitekturen, die Mindestanforderungen an Software und Maschinen beschreiben, sind inzwischen kompatibel. «Das ist ein echter Fortschritt gegenüber dem Zustand vor einem Jahr», sagte Struth.

«Für uns war sonnenklar, dass die Bemühungen nur dann erfolgreich sein können, wenn wir für eine größtmögliche Kompatibilität der Systeme sorgen», sagte Struth. Während die US-Initiative stärker auf praktische Anwendungsbeispiele setzt, zielt der deutsche Ansatz eher auf Produktion und technologische Tiefe. Bosch arbeitet - genau wie Siemens - bei beiden Initiativen mit und hat in einem Projekt in einer Fabrik in Bad Homburg die Vorgaben von IIC und Plattform Industrie 4.0 bereits kombiniert.

Das Rennen um die Vorherrschaft bei dem Thema sieht Struth noch nicht entschieden. In den USA gebe es zwar Vorreiter bei dem Thema wie GE oder Cisco, auch den indischen IT-Dienstleister Tech Mahindra nannte Struth. «"Das" perfekte Industrie 4.0-Unternehmen sehe ich aber noch nicht.»

In Deutschland sieht der Bosch-Geschäftsführer an anderen Stellen Nachholbedarf. «Wir brauchen in Deutschland ganz andere Bandbreiten», sagte Struth. «Da haben viele Länder in Asien die Nase vorn, auch die USA sind in Ballungszentren sehr gut vernetzt.» Beim Thema Datensicherheit für den Austausch von Produktionsdaten zwischen Unternehmen sehe er ebenfalls noch Nachholbedarf. Darüber hinaus müsse Industrie 4.0 in der Ausbildung stärkeren Niederschlag finden.