Boston-Bomber: Jury berät über Schuld des Angeklagten

Im Prozess um den blutigen Terroranschlag auf den Boston-Marathon vor zwei Jahren haben die Geschworenen über die Schuld des mutmaßlichen Bombenlegers Dschochar Zarnajew beraten.

Boston-Bomber: Jury berät über Schuld des Angeklagten
Jane Flavell Collins Boston-Bomber: Jury berät über Schuld des Angeklagten

Die sieben Frauen und fünf Männer in der Jury zogen sich zurück, um über die 30 Anklagepunkte gegen den 21-Jährigen zu entscheiden. 17 davon können in der nächsten Phase des Verfahrens mit der Todesstrafe geahndet werden.

Die Verteidigung streitet Zarnajews Mitschuld am Tod von drei Zuschauern und der Verletzung von 260 weiteren nicht ab. Sie betont aber, dass die Hauptschuld bei Zarnajews sieben Jahre älterem Bruder Tamerlan liege. Der war wenige Tage nach der Tat während einer Verfolgungsjagd von der Polizei erschossen worden.

In ihrem Schlussplädoyer hatte die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten am Montag eindeutig terroristische Motive vorgehalten. Die Brüder tschetschenischer Abstammung hätten sich als islamistische Gotteskrieger verstanden und kaltblütig Bürger umgebracht, sagte der Chefankläger Aloke Chakravarty. Dschochar Zarnajew habe Amerika «bestrafen» und dabei bewusst auch kleine Kinder zu Opfern machen wollen.

Bei der Tat im April 2013 handelte es sich um den schwersten Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001. Die Sprengsätze waren auf der Zielgeraden des Marathonlaufs detoniert. Dort hatten Tausende Zuschauer die Läufer angefeuert, als zwei Schnellkopftöpfe explodierten, die mit selbst gebasteltem Sprengstoff und Nägeln gefüllt und in Rucksäcken versteckt worden waren. Unter den Toten war ein achtjähriger Junge. Viele Verletzte verloren Arme oder Beine.

Während der mehrtägigen Flucht sollen die Brüder einen Polizisten erschossen haben. Dschochar Zarnajew flüchtete nach dem Tod seines älteren Bruders in den Bostoner Vorort Watertown. Zuletzt versteckte er sich in einem Boot, das in einem Garten eines Hauses auf dem Trockenen lag. In der Anklageschrift heißt es, Zarnajew habe dort eine Botschaft hinterlassen. «Die US-Regierung tötet unschuldige Zivilisten», habe er auf die Innenwand des Bootes geschrieben. «Wir Muslime sind eins, wenn man einen verletzt, verletzt man uns alle.»

Seine Verteidigung versuchte in ihrem Plädoyer, die Geschworenen davon zu überzeugen, dass er ein ganz normaler Schüler gewesen sei und nicht die Hauptschuld an der Tat trage. Der Strippenzieher sei stattdessen Tamerlan gewesen. Er habe islamistische Schriften aus dem Internet geladen, die Bestandteile der Bomben gekauft und die Tat geplant. Es sei falsch, ihren Mandanten als Dschihadisten darzustellen, sagte die Anwältin Judy Clarke. «Ohne Tamerlan wäre das nie passiert.»

Mit Spannung wird die Schlussphase des Prozesses erwartet, wenn über das Strafmaß entschieden wird. Die Verteidigung zielt darauf ab, die Todesstrafe abzuwenden. Der US-Bundesstaat Massachusetts hatte Exekutionen zwar in den frühen 1980er Jahren abgeschafft und die letzte Hinrichtung fand 1947 statt. Aber Zarnajew muss sich in einem Bundesverfahren verantworten, und das Bundesrecht erlaubt generell die Todesstrafe - also auch in Massachusetts.