«Boston-Bomber» vor Gericht

Es war der schwerste Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001. Drei Menschen starben, andere wurden schwer verstümmelt. Jetzt muss sich der mutmaßliche «Boston Bomber» vor Gericht verantworten.

«Boston-Bomber» vor Gericht
Fbi / Handout «Boston-Bomber» vor Gericht

Fast zwei Jahre nach dem blutigen Anschlag beim Boston Marathon steht in der US-Stadt der mutmaßliche Täter vor Gericht. Die Anklage wirft dem 21-jährigen Dschochar Zarnajew vor, gemeinsam mit seinem älteren Bruder Tamerlan Zarnajew auf der Zielgeraden zwei Bomben zur Explosion gebracht zu haben. Bei dem schwersten Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001 waren drei Zuschauer getötet und 260 verletzt worden.

Zarnajew muss sich zudem wegen Mordes an einem Polizisten während seiner anschließenden Flucht verantworten. Im Fall eines Schuldspruchs droht ihm die Todesstrafe.

Der Prozess begann am Montag mit der Geschworenenauswahl aus einer Gruppe von 1200 Kandidaten. Bestimmt werden müssen 12 Juroren und sechs Ersatzgeschworene. Allein diese Prozedur dürfte wegen der Bedeutung des Falles und der möglichen Todesstrafe für den Angeklagten Wochen dauern. So gilt es, Geschworene zu bestimmen, die nicht aus prinzipiellen Gründen strikt gegen die Todesstrafe sind. Dem «Boston Globe» zufolge könnte es gut sein, dass die eigentliche Verhandlung erst im Februar beginnt und der Prozess bis zum Frühsommer dauert.

Zarnajew hatte sich bereits bei einer Anhörung im vergangenen Jahr nicht schuldig bekannt. Insgesamt ist er in 30 Punkten angeklagt, so wegen des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen an einem öffentlichen Ort. 17 der Punkte wiegen so schwer, dass sie ihm bei einem Schuldspruch die Todesstrafe eintragen könnten.

Zarnajews älterer Bruder Tarmalan war bei einer Verfolgungsjagd der Polizei nach dem Bombenanschlag erschossen worden. Dschochar wurde mit schweren Verletzungen versteckt in einem auf einem Grundstück geparkten Boot gefunden.

Die Verteidigung hatte bis zuletzt versucht, den Prozess zu verschieben und in eine andere Stadt zu verlagern. Sie argumentierte, dass es unmöglich sei, in Boston unvoreingenommene Geschworene zu finden. Außerdem habe sie nicht genügend Zeit zur Vorbereitung auf den Prozess gehabt. Aber Richter O'Toole wies das zurück.

Experten erwarten, dass die Verteidiger Zarnajew als einen leicht beeinflussbaren jungen Mann porträtieren werden. Dschochar sei von seinem älteren Bruder dominiert worden, der zunehmend radikale muslimische Sichtweisen entwickelt habe.

Massachusetts hatte die Todesstrafe in den frühen 1980-er Jahren abgeschafft. Die bisher letzte Hinrichtung fand 1947 statt. Zarnajew muss sich jedoch nicht in einem staatlichen, sondern in einem Bundesverfahren verantworten, und das Bundesrecht erlaubt generell die Todesstrafe - also auch in Massachusetts.

Ein Bundesgeschworenengericht in dem Staat hatte bisher nur zweimal über eine mögliche Todesstrafe zu entscheiden, 2001 und 2003. Im ersten Fall entschied es dagegen, im zweiten Fall dafür, aber das Todesurteil wurde dann Jahre später in einem Berufungsverfahren aufgehoben.