Boston soll Olympia 2024 in die USA holen

Der kleinste Bewerber war der große Gewinner: Boston soll die Olympischen Sommerspiele nach 28 Jahren wieder in die USA holen.

Das Nationale Olympische Komitee (USOC) ernannte ein wenig überraschend die Hauptstadt von Massachusetts zum amerikanischen Bewerber für die Sommerspiele 2024 - und somit zum Konkurrenten von Hamburg oder Berlin. Boston setzte sich in der internen US-Auswahl gegen Washington, San Francisco sowie Los Angeles, dem zweimaligen Gastgeber der Sommerspiele, durch.

Bürgermeister Marty Walsh sprach von einer «außergewöhnlichen Ehre, als US-Repräsentant für die Sommerspiele 2024 ausgewählt worden zu sein». Auf einer Pressekonferenz stellte das Stadtoberhaupt klar, dass man keine Steuergelder nutzen werde, um Sportstätten zu bauen. «Aber wir werden diese finanziellen Mittel dazu verwenden, um die Infrastruktur zu verbessern, was auch ohne eine Olympia-Bewerbung nötig gewesen wäre», so Walsh.

Einer der ersten Gratulanten war Barack Obama. «Meine Frau und ich unterstützen tatkräftig die Bemühungen, die Sommerspiele 2024 in die USA zu holen. Wir hoffen, die Athleten der Welt 2024 in Boston begrüßen zu können», sagte der US-Präsident, der an der Harvard University in Bostons Nachbarstadt Cambridge studiert hatte. 

IOC-Präsident Thomas Bach begrüßte die Auswahl. «Die Bewerbung Bostons wird eine starke sein. Die Menschen in Boston sind bekannt für ihren Enthusiasmus im Sport, und die Stadt hat ein großes Erbe im Sport, in der Wissenschaft und in der Bildung», lobte Bach. Die Kandidatur habe das Potenzial, auf der Stärke der amerikanischen Athleten aufzubauen.

USOC-Präsident Larry Probst nannte die Entscheidung von Denver eine der «wohl herausforderndsten, schwersten und quälendsten», die man als Vorstand jemals getroffen habe. Bostons Bewerbung stehe im Einklang mit der langfristigen Vision der Stadt, stelle die Athleten in den Mittelpunkt und sei kosteneffektiv, so Probst.

Die medialen Reaktionen hätten gegensätzlicher kaum sein können. «Wie so viele andere, war USOC entzückt von Boston», schrieb der «Boston Globe». In Kalifornien indes fragte die «Los Angeles Times» verwundert: «Wie zum Teufel verliert L.A. gegen Boston?» und warf USOC vor, einen «Goldkandidaten» abgelehnt zu haben. «San Franciscos Olympia-Traum zerschmettert», hieß es im «San Francisco Chronicle». 

Boston hatte sich erstmals um die Austragung des Großereignisses beworben. Konkurrenz kommt auf jeden Fall aus Europa. Italien schickt Rom ins Rennen, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet am 21. März zwischen Hamburg und Berlin, ehe dann noch die Bürger der deutschen Bewerberstadt befragt werden. Als weitere Interessenten gelten Paris sowie Städte aus Südafrika und Australien. Bis zum 15. September müssen alle Bewerber ihre Unterlagen beim IOC einreichen. Die Entscheidung fällt im September 2017.

Boston passt mit seinen 600 000 Einwohnern nicht in eine Liga mit bisherigen Gastgebern wie Sydney, Peking oder London und gibt ein im Vergleich zu Peking 2008 (40 Milliarden Dollar) oder Sotschi 2014 (50 Milliarden Dollar) schlankes Budget von 4,5 Milliarden Dollar an. Man vertraut damit auf die Worte von Bach, der im Zuge seiner Agenda 2020 gefordert hatte, die Olympischen Spiele müssten wieder kostengünstiger und machbarer werden. 

«Die Boston-Spiele können eine der innovativsten, nachhaltigsten und aufregendsten der Geschichte werden. Sie werden die nächste Generation hier und in der Welt inspirieren», sagt John Fish, Präsident von Boston2024. Die Organisatoren versprechen kompakte Spiele - 28 der 33 Sportstätten werden in einem zehn Kilometer-Radius vom Athleten-Dorf und laut Fish «wahrscheinlich 70 bis 75 Prozent auf Universitäts-Geländen sein.»

Es gibt jedoch auch kritische Stimmen. Die Gruppierung «No Boston Olympics» hatte im Vorfeld die fehlende Transparenz der Bewerbung bemängelt. Bürgermeister Walsh kündigte an, dass man «in jedes Stadtviertel gehen und über die Spiele sprechen» werde, damit die Menschen verstehen, «was es bedeutet, dieses Ereignis in ihrer Stadt zu haben, was die Auswirkungen und was der Gewinnen sein werden». Walsh versprach einen «sehr offenen und transparenten Prozess.» 

Boston ist Amerikas erfolgreichste Sportstadt des 21. Jahrhunderts und unter anderem Heimat des ältesten Stadt-Marathons der Welt. «Die Leute hier begeistern sich sehr für ihren Sport, vor allem für die vier Teams aus den großen Sportligen. Aber sie sind auch im Breitensport sehr aktiv. Ruderer, Segler oder Läufer gehören zum Stadtbild dazu», sagte Dennis Seidenberg der Deutschen Presse-Agentur. Der Eishockey-Profi spielt seit März 2010 für die Boston Bruins und verlängerte erst im vergangenen Jahr seinen Vertrag bis 2018. Boston beschreibt er als «kleine Großstadt».