Bostons Olympia-Aus Blamage für USA - Chance für Hamburg

Für die USA ist der Olympia-Rückzug von Boston ein Debakel, für das IOC ein Ärgernis und für Hamburg eine Chance.

Bostons Olympia-Aus Blamage für USA - Chance für Hamburg
Kay Nietfeld Bostons Olympia-Aus Blamage für USA - Chance für Hamburg

«Wir nehmen die aktuelle Entwicklung in den USA naturgemäß mit großem Interesse zur Kenntnis», kommentierte DOSB-Präsident Alfons Hörmann das Aus des amerikanischen Favoriten im Rennen um die Olympischen Spiele 2024. «Sie zeigt, wie wichtig es ist, die Kräfte in der Ausrichterstadt und im ganzen Land zu bündeln.»

Deshalb tue man gut daran, sich «voll auf die eigene Bewerbung zu konzentrieren und weiter an unserem Konzept zu arbeiten, das aus Betroffenen aktive Beteiligte macht», sagte Hörmann. «Auf diesem Weg sollte es gelingen, die erkennbar positive und breite Unterstützung für unser Konzept von Olympischen und Paralympischen Spielen 2024 in Hamburg zu sichern.» 

Die Nachricht aus den USA sorgte beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) kurz vor dem am 30. Juli beginnenden 128. Kongress in Kuala Lumpur nicht für Begeisterung. «Es ist immer beschämend, wenn ein Nationales Olympisches Komitee eine Stadt auswählt und dann unfähig oder nicht in der Lage ist, die nächste Stufe des Wettbewerbs zu erreichen», schimpfte IOC-Vizepräsident Sir Craig Reedie in der malaysischen Hauptstadt nach der Absage.

IOC-Präsident Thomas Bach reagierte auf Bostons Ausstieg moderat. «Für das IOC war es nur eine amerikanische Bewerbung vom Nationalen Olympischen Komitee (USOC)», sagte er und hofft, dass die USA Ersatz finden. «Wir sind zuversichtlich, dass das USOC die am meisten geeignete Stadt für eine starke US-Bewerbung auswählt.»

Bis zum offiziellen Meldeschluss am 15. September hat das USOC nur Zeit, eine Alternative zu finden. Erste Wahl für die zweite Wahl ist Los Angeles, Schauplatz der Sommerspiele 1932 und 1984. Boston hatte LA, San Francisco und Washington bei der USOC-Wahl ausgestochen.

Die Ostküstenstadt galt als Favorit für 2024, da die US-Sportmacht lange nicht mehr Olympia-Gastgeber war - zuletzt in Atlanta 1996 und Salt Lake City 2002 - und mit den Sommerspiele-Kandidaturen für 2012 (New York) und 2016 (Chicago) scheiterte.

Mit dem Fehlgriff des USOC, das bis Ende August einen neuen Bewerber finden will, haben sich die Chancen von Hamburg auf einen Spiele-Zuschlag erhöht. Mehr aber nicht. Sollte Los Angeles für Boston einspringen, wäre die kalifornische Metropole ein starker Ersatzkandidat, denn bis zur IOC-Wahl 2017 in Lima ist es noch lange hin und die Panne wohl Geschichte. Außerdem wollen auch noch Rom, Paris, Budapest und möglicherweise auch Toronto um die Spiele 2024 buhlen. Für Hamburg gibt es zudem noch eine Hürde: Beim Referendum am 29. November müssen die Hanseaten Ja oder Nein zu Olympia sagen.

Gescheitert ist Bostons Bewerbung aus finanziellen Gründen und mangelnder Unterstützung der Einwohner für das Olympia-Projekt. Bürgermeister Marty Walsh wollte die Kandidatur nur unterstützen, wenn sie komplett privat finanziert und keine Steuergelder dafür ausgegeben worden wären. Walsh hatte noch einmal betont, er werde kein Dokument unterzeichnen, «das einen Dollar Steuergeld für einen Penny an Mehrkosten für Olympia aufs Spiel setzt». Das Stadtoberhaupt spielte damit auf einen entsprechenden Vertrag, der dem IOC finanzielle Garantien Stadt zugesichert hätte.

«Es ist nicht nur schlecht für die USA, sondern schlecht für alle», bedauerte IOC-Mitglied Juan Antonio Samaranch Jr. den Rückzug Bostons. Es sei eine außergewöhnliche Stadt, sehr attraktiv für Olympische Spiele, eine Sportstadt. «Ich denke nicht, dass sie es nötig hat, das Gesicht zu wahren.»

IOC-Exekutivmitglied Sergej Bubka hätte nun nichts gegen LA. «Los Angeles hat eine große Geschichte und viel Erfahrung», meinte der frühere Stabhochspringer. «Warum nicht?»