Bowie-Festspiele gehen mit Best-of weiter

Die Anfang vorigen Jahres mit einem bärenstarken Comeback-Album gestarteten David-Bowie-Festspiele gehen weiter: «Nothing Has Changed» ist bereits seine zweite Best-of-Zusammenstellung in diesem Jahr, und auch die aktuellste.

Bowie-Festspiele gehen mit Best-of weiter
Bowie-Festspiele gehen mit Best-of weiter

Denn die pünktlich zum Weihnachtsgeschäft über Parlophone/Warner erschienene 3-CD-Compilation enthält den brandneuen Song «Sue (Or In A Season Of Crime)», ein am orchestralen Jazz von Gil Evans geschultes, gut siebenminütiges Stück, wie man es von Bowie noch nie gehört hat. Der 67-Jährige singt zu teils schrillen Bläsern mit vibrierender Stimme wie ein eher milde gestimmter Scott Walker (der mit seinen jüngsten Alben auf der Avantgarde- und Noise-Skala bekanntlich schon wieder ein ganzes Stück weiter ist). Ungewohnt, nicht ohne einen gewissen Nervenzerrer-Effekt, aber mindestens interessant. Und: Mit «Sue» beweist Bowie erneut, dass er auch im Popveteranen-Alter nicht stehenzubleiben gedenkt - sei der künstlerische Output auch nur noch so knapp bemessen.

Nach dem neuen Track geht es interessanterweise rückwärts in der Karriere des in New York lebenden britischen Mega-Popstars, dem seit dem Vorjahr auch große Ausstellungen in London und Berlin gewidmet waren. Es folgen Songs aus dem jüngsten Studiowerk «The Next Day» (2013) - darunter die wunderbare Berlin-Hymne «Where Are We Now?» und «Love Is Lost» in einer sehr tanzbaren Extended Version. Danach geht es auf CD 1 zurück in die künstlerisch und kommerziell weniger ergiebigen Nuller- und 90er-Jahre.

Immerhin dürften diese eher unbekannten, oft auch unterbewerteten Bowie-Stücke noch für manche Überraschung sorgen, während die CDs 2 und 3 vor allem das volle Hit-Programm bieten - ein Bowie-Kracher der 70er und 80er Jahre jagt den nächsten. Die Songs sind legendär - überflüssig, all diese bestens bekannten Titel zu nennen. Man bekommt als Fan, was man erwartet und braucht. Am Ende des dritten Silberlings wird es dann nochmal etwas obskur, mit einigen Songs aus den mittleren Sechzigern, die Bowie noch vor seinem offiziellen Debüt (1967) unter dem Echtnamen Davy Jones veröffentlichte.

Während «Nothing Has Changed» für sich in Anspruch nimmt, mit insgesamt 59 Stücken «die größte und umfassendste Sammlung an Bowie-Songs, die je veröffentlicht wurde», zu sein, kommt «Sound + Vision» (Parlophone/Warner) bescheidener daher. Es handelt sich bei dieser 4-CD-Compilation im Grunde nur um eine Neuauflage des 1989 veröffentlichten gleichnamigen Box-Sets. «Sound + Vision 2014» enthält 70 Stücke, darunter neben vielen Single-Hits jede Menge Demo-Versionen, Raritäten und Live-Aufnahmen. Auf dem letzten Stand der Bowie-Dinge ist diese Zusammenstellung daher nicht, aber gerade für jüngere Sammler hält sie zu einem recht günstigen Preis etliche Schätze bereit.