Brasiliens Demonstranten wollen weiter protestieren

Brasiliens Demonstranten haben einen Grund zum Feiern: Die umstrittene Preiserhöhung im Nahverkehr wurde zurückgenommen. Doch die Proteste sollen weitergehen. Der Confed Cup, die Generalprobe für die Fußball-WM, wird von Randale überschattet.

Brasiliens Demonstranten wollen weiter protestieren
Marcelo Sayao

Rund ein Dutzend Städte in Brasilien gaben dem Druck der Straße nach und nahmen die umstrittenen Preiserhöhung für Bustickets zurück. Auch in den beiden größten Metropolen - São Paulo und Rio de Janeiro - beugten sich die Bürgermeister den Protesten und widerriefen die Preiserhöhung um 20 Centavos (6 Euro-Cent). Die Organisatoren der Demonstrationen feierten den Teilerfolg als wichtigen Sieg und wollen weitermachen.

«Wir haben uns organisiert, sind auf die Straße gegangen, ohne den Kopf einzuziehen vor einem Regierenden, einem Unternehmen, einem Politiker - das Volk hat es geschafft, die Tarife zu verringern. Wenn das Volk das schafft, kann es noch viel mehr erreichen», sagte der Student Caio Martins, der zu der Gruppe «Passe Livre» gehört, die die Proteste in São Paulo organisierte, der Zeitung «Estado de São Paulo».

In bis zu 80 Städten sollten am Donnerstag wieder Aktionen stattfinden. Hunderttausende wurden erwartet. Unklar blieb zunächst, ob und wie sich die Nachricht über die landesweiten Preissenkungen im Nahverkehr auf die Protestbereitschaft der Demonstranten auswirkt. Die Protest-Agenda ist lang und reicht von Forderungen nach einem Ende der Korruption über mehr Investitionen in Gesundheit und Bildung bis hin zu scharfen Kritik an den steigenden Milliarden-Kosten für die Fußball-WM 2014.

Auch in Rio de Janeiro wurden vor dem Spiel des Confederations Cups zwischen Spanien und Tahiti in dem für rund 360 Millionen Euro sanierten Maracanã-Stadion am Donnerstag Proteste erwartet. Die Polizei verstärkte ihr Aufgebot vorbeugend. Rund um das 1950 erbaute Stadion gilt ein Sperrbereich. Am Mittwoch war es vor dem Spiel zwischen Gastgeber Brasilien und Mexiko in der Umgebung des Castelão-Stadions in Fortaleza im Nordosten Brasiliens zu Ausschreitungen gekommen.

In Niteroi bei Rio gingen am Mittwochabend Tausende Menschen auf die Straße. Es kam zu Zusammenstößen mit Sondereinheiten der Polizei, die Tränengas einsetzten. Die Demonstranten hatten zuvor eine zentrale Brücke besetzt. Einige Randalierer versuchten, einen Bus umzustürzen und in Brand zu setzen. Auch in São Paulo zogen Tausende über die zentrale Avenida Paulista.