Bremen knackt auch Leverkusen - Frankfurt holt 0:2 auf

  In den letzten Minuten hielt es niemanden auf dem Sitz. Alle Bremer im Weserstadion standen auf, trieben die rackernde Werder-Mannschaft noch einmal an und feierten anschließend den vierten Sieg hintereinander.

Mit dem 2:1 (2:1) gegen Bayer Leverkusen hat Werder seine beeindruckende Serie trotz des Ausfalls von Toptorjäger Franco di Santo fortgesetzt - und seine Fans in Euphorie versetzt. «Der SVW ist wieder da», sangen die seit Jahren nicht mehr so verwöhnten Fans.

Im zweiten Sonntagsspiel hat Eintracht Frankfurt mit einer effektiven Aufholjagd den Sprung der Augsburger Überflieger auf einen direkten Champions-League-Platz verhindert. Nach einer 2:0-Führung musste sich das am Ende entkräftete Überraschungsteam des FC Augsburg gegen die Hessen zum Abschluss der Englischen Woche mit einem 2:2 (2:1) begnügen, rückte aber wieder auf Platz vier vor. Es war das erste Remis des FCA im 20. Saisonspiel.

Der starke Ragnar Klavan (7. Minute) und Raul Bobadilla mit seinem siebten Saisontor (37.) trafen vor 27 122 Zuschauern für die Gastgeber, die mit ihrer mangelhaften Chancenverwertung hadern mussten. Für die in der Rückrunde noch sieglosen Frankfurter waren Stefan Aigner (45.+2) und Top-Torjäger Alexander Meier (70.) mit seinem 14. Saisontor erfolgreich.

«In der zweiten Halbzeit waren wir um Welten besser. In der ersten Hälfte haben wir nicht gut gespielt», räumte Gäste-Trainer Thomas Schaaf im Eintracht-TV ein. Und Frankfurts Keeper Kevin Trapp meinte: «Wir haben uns heute den Punktgewinn durch die Steigerung in der zweiten Halbzeit verdient.» Augsburgs Manager Stefan Reuter war dagegen überhaupt nicht zufrieden. «Das war ärgerlich, weil wir sehr gute Chancen hatten zu gewinnen», meinte er bei Sky. «Wir haben ein blödes Gegentor durch einen unnötigen Freistoß bekommen.» Die Champions League sei für den FCA nach wie vor «gar kein Thema».

Die Werderaner haben sich dank der Tore von Davie Selke (17. Minute) und Zlatko Junuzovic (29.) nun sogar schon acht Punkte von den Abstiegsrängen abgesetzt. «Das ganze Stadion steht - das war echt klasse», schwärmte Werder-Coach Viktor Skripnik, der im elften Spiel als Chefcoach seinen siebten Sieg feierte. «Genau diese Mischung brauchen wir», sagte der Werder-Coach: «Wir können noch nicht 90 Minuten durchmarschieren. Da mussten wir kämpfen.»  

Roger Schmidt war einer der wenigen Menschen im Stadion, die sitzen blieben: Der in der 65. Minute wegen Meckerns auf die Tribüne verwiesene Coach der Leverkusener hatte «vor sich hingeflucht». Von einem Presseplatz aus  sah er seine Mannschaft, die durch Hakan Calhanoglu (43.) zum Anschlusstreffer gekommen war, anrennen und in der Schlussphase am Werder-Bollwerk verzweifeln.

«Wir hatten Chancen, das Spiel noch zu gewinnen», kommentierte Schmidt: «Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns nicht belohnt haben. Das verfolgt uns ein bisschen.» Bayer-Sportdirektor Rudi Völler schimpfte: «Wir waren zu kompliziert vor dem Tor.»

Werder liegt mit 26 Zählern sogar nur noch sechs Punkte hinter dem Bayer-Team, das als Tabellen-Sechster seinen Erwartungen hinterher hinkt. «Natürlich sieht unsere Tabellensituation nun sehr gut aus», sagte Skripnik - mahnte aber, den Blick weiter nach unten zu richten: «Wir schauen nicht nach oben.» Manager Thomas Eichin versprach, während die Fans noch feierten: «Wir flippen hier nicht aus.»

Werder verkraftete sogar den Ausfall von di Santo. Wegen einer Oberschenkelblessur musste der zuletzt so treffsichere Stürmer passen. Nach einer guten Viertelstunde bediente Fin Bartels nach einem sehenswerten Konter über Clemens Fritz per Außenrist Selke - und der 20-Jährige schloss direkt ab. «Ich habe einen super Pass bekommen», schwärmte der Torschütze: «Er hat mich zum Glück gesehen.»

Werder setzte in der ersten Halbzeit mit Spielfreude nach und kam durch das herrliche Freistoßtor von Junuzovic - dem vierten des Österreichers in dieser Saison - zum zweiten Tor. «Dabei habe ich das gar nicht mehr geübt», verriet der Mittelfeldspieler.  

Leverkusen wirkte frustriert und fand keine rechte Antwort, doch dann zeigte die Werder-Defensive doch noch einmal ihr fahrlässiges 2014er-Gesicht: Karim Bellarabi narrte gleich zwei Gegner an der Eckfahne, Gonzalo Castro schoss die Hereingabe an den Pfosten - und den zweiten Abpraller drückte Calhanoglu per Kopf über die Linie.

Werder tat sich in der zweiten Halbzeit sehr schwer, kam gegen die aufkommenden Leverkusener kaum noch zu Chancen. Bayer bestimmte die zweiten 45 Minuten deutlich. Stefan Kießling (52.) kam dem Ausgleich am nächsten, traf aus spitzem Winkel jedoch nur den Pfosten. In der zunehmend hektischen Schlussphase verteidigten die von ihren Fans angetriebenen Bremer mit viel Einsatz den Sieg.