Bürgermeister Jens Böhrnsen: Prototyp des Bremer Hanseaten

Ein Leben außerhalb Bremens kann sich Jens Böhrnsen nicht wirklich vorstellen. Er ist Hanseat durch und durch. Viele Bremer schätzen genau das an ihrem 65 Jahre alten Landesvater. Die Opposition verzweifelt fast daran.

Bürgermeister Jens Böhrnsen: Prototyp des Bremer Hanseaten
Ingo Wagner Bürgermeister Jens Böhrnsen: Prototyp des Bremer Hanseaten

Obwohl im kleinsten Bundesland längst nicht alles so läuft, wie es soll, und die politischen Sorgen groß sind, steht Böhrnsen gut da. Der kunstsinnige Hanseat behält auch dann die Ruhe, wenn die Wellen hoch schlagen. Nur CDU-Oppositionsführer Thomas Röwekamp gelingt es hin und wieder, ihn mit grober Polemik auf die Palme zu bringen. Dann weiß Deutschlands dienstältester Regierungschef allerdings mit gleicher Münze zurückzuzahlen.

Bremen ist auf ein gutes Verhältnis zu seinem einzigen Nachbarn Niedersachsen angewiesen. Mit Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) scheint es besonders gut zu gehen. «Ich würde von Jens Böhrnsen einen Gebrauchtwagen kaufen», sagt der Amtskollege aus Hannover und meint das in norddeutscher Art als höchste Form der Anerkennung. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) nennt Böhrnsen einen ausgleichenden und klugen Politiker, der tolle Vorschläge mache. «Was mich beeindruckt, ist, dass er unheimlich Gas geben kann, wenn es um Bremen geht.»

Als gebürtiger Bremer ist Böhrnsen einer der Vorzeige-Hanseaten der deutschen Sozialdemokratie. Verbindlich im Ton, entschieden beim Kampf um die Sache und trittsicher auf allen Ebenen. Nach dem überraschenden Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler im Jahr 2010 fand sich Böhrnsen als Bundesratspräsident vorübergehend im höchsten Staatsamt wieder und bekam für seinen Einsatz viel Lob.

Der Jurist hatte das Bürgermeisteramt und die große Koalition im Oktober 2005 von Henning Scherf (SPD) übernommen. Nach der Wahl 2007 wechselte Böhrnsen den politischen Partner und regiert seitdem mit den Grünen. Eines der größten Defizite der Bremer Gesellschaft ist gleichzeitig Böhrnsens wichtigstes Anliegen: der soziale Zusammenhalt. Es bedrückt ihn spürbar, dass Bremen den höchsten Anteil armer Kinder in Deutschland hat.

Der Weg in die Politik war für den Sohn aus einer Arbeiter- und Gewerkschafterfamilie nicht unbedingt vorgezeichnet. Nach dem Jurastudium in Kiel und Hamburg wurde er Verwaltungsrichter in seiner Heimatstadt. 1995 zog er erstmals in die Bürgerschaft ein, vier Jahre später übernahm er den Fraktionsvorsitz.

Böhrnsen wird auch von politischen Gegnern als Verhandlungs- und Gesprächspartner geschätzt. «Jens Böhrnsen kenne ich als ruhigen, unaufgeregten Politiker, der auch über den Tellerrand hinausschaut», sagte der Bremer CDU-Chef Jörg Kastendiek einmal.

Der frühere SPD-Landesvorsitzende Andreas Bovenschulte lobt Böhrnsen nicht nur für dessen inneren Wertekompass. Er habe ihn immer wieder durch unglaubliche Sachkenntnis selbst in abgelegenen Einzelfragen beeindruckt. «In gemeinsamen Gesprächen habe ich oft gedacht «Wieso weiß der das jetzt?».»

Böhrnsen ist zweifacher Vater und in dritter Ehe verheiratet. Von seinem Privatleben gibt er wenig preis. Soviel immerhin: «Ich wohne hinter dem Deich eines Nebenflusses der Weser. Das heißt, ich gehe nur ein paar Meter und dann habe ich den schönsten Blick auf wunderbare Landschaft.» Als Kultursenator, der er auch ist, besucht er gerne Ausstellungen, Museen und Konzerte. Er liebe das Meer und die Küste, sagt der 65-Jährige. «Ich fahre gerne in andere Städte, und es gibt zahlreiche, die ich sehr mag, aber eine Alternative, um dort zu leben, die gibt es nicht.»