Brennstoffhersteller German Pellets stellt Insolvenzantrag

Der Wismarer Brennstoff-Hersteller German Pellets hat einen Insolvenzantrag gestellt. Tausenden Geldgebern droht nun der Verlust ihrer Anlagen, Beschäftigte fürchten um ihre Arbeitsplätze.

Brennstoffhersteller German Pellets stellt Insolvenzantrag
Bernd Wüstneck Brennstoffhersteller German Pellets stellt Insolvenzantrag

Das Amtsgericht Schwerin teilte mit, sei ein Antrag des Unternehmens eingegangen. «Über den Inhalt kann ich noch keine Auskünfte erteilen», sagte Direktorin Monika Köster-Flachsmeyer. Das Insolvenzgericht prüfe den Antrag. Die German Pellets GmbH selbst äußerte sich bislang nicht zu dem Schritt.

Anlegervertreter hatten mit einem Insolvenzantrag gerechnet, nachdem German Pellets eine für Mittwoch in Wismar anberaumte Gläubigerversammlung am Dienstag ohne Begründung abgesagt hatte. Auf der Versammlung sollte es formal um eine Anleihe mit einem Volumen von 52,4 Millionen Euro gehen, die zum 1. April hätte zurückgezahlt werden müssen. German Pellets hatte die Gläubiger um eine Laufzeitverlängerung von zwei Jahren bis zum 31. März 2018 gebeten. Außerdem sollte der Zinssatz von 7,25 auf 5,25 Prozent reduziert werden. Im Gegenzug sollten die Anleiheinhaber 50 Prozent der Gesellschaftsanteile an der German Pellets GmbH als Sicherheit erhalten. Anlegervertreter wie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger warnten vor den Vorschlägen.

Das Inkasso-Unternehmen Creditreform Mecklenburg-Vorpommern in Rostock berichtete, German Pellets habe seit Jahresende 2015 relativ plötzlich Rechnungen nicht mehr beglichen, etwa von Holzlieferanten. Ein Grund dafür sei nicht bekannt.

German Pellets ist über zwei weitere, ebenfalls mit 7,25 Prozent verzinste Anleihen mit weiteren 172 Millionen Euro bei Anlegern in der Schuld. Die Laufzeit dieser Anleihen endet aber erst 2018 beziehungsweise 2019. Die Anleihen von German Pellets verloren nach der Absage der Gläubigerversammlung weiter dramatisch und notierten am Mittwoch zwischen 0,2 und knapp 2 Prozent des Nennwerts.

Die Firma beschäftigt weltweit rund 600 Mitarbeiter, davon 150 in Wismar. Nach Angaben der IG Metall, die auch Arbeitnehmer in der Holzverarbeitung vertritt, existiert bei German Pellets kein Betriebsrat. Es könne damit weder Sozialplan noch Interessensausgleich geben, sagte Gewerkschaftssekretär Maik Schwaß. Er hofft, dass das Amtsgericht Schwerin kein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zulässt. Das würde bedeuten, dass die Geschäftsführung selbst befugt sei, unter Aufsicht eines Sachwalters die Insolvenzmasse zu verwalten. «Wir haben schlechte Erfahrungen damit, wenn nicht die Köpfe ausgetauscht werden», sagte er.