Brexit-Verunsicherung zieht den Dax weiter runter

Die hohe Unsicherheit über die Folgen des Brexit haben dem Dax weiter zugesetzt. Hinzu kam, dass die Auftragseingänge der deutschen Industrie im Mai überraschend stagnierten. Der Dax fiel zeitweise fast bis an die Marke von 9300 Punkten, erholte sich später allerdings wieder etwas.

Brexit-Verunsicherung zieht den Dax weiter runter
Fredrik Von Erichsen Brexit-Verunsicherung zieht den Dax weiter runter

Mit einem Abschlag von 1,67 Prozent auf 9373,26 Punkte ging das deutsche Börsenbarometer aus dem Handel und schloss damit den dritten Tag in Folge mit Verlusten. Die kleine Erholungsrally nach der Entscheidung Großbritanniens, die EU zu verlassen, ist damit fast wieder ausradiert.

Eine Lösung, um die Kuh namens Brexit vom Eis zu bekommen, sei nicht in Sicht, sagte Analyst Konstantin Oldenburger vom Broker CMC Markets. Es bleibe unklar, ob überhaupt oder wann und zu welchen Bedingungen ein EU-Austritt Großbritanniens erfolgen werde. Diese Unsicherheit halte Investoren von Engagements ab.

Der MDax als Index der mittelgroßen Werte fiel um 1,42 Prozent auf 19 206,60 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax büßte 1,61 Prozent auf 1551,69 Zähler ein. Kaum besser sah es an den anderen Börsenplätzen Europas aus: Der EuroStoxx 50 beendete den Handel mit minus 1,83 Prozent auf 2761,37 Punkte und auch Paris und London schlossen schwach.

In den USA erholte sich der Dow Jones Industrial allerdings kurz vor dem europäischen Handelsschluss spürbar von seinen Anfangsverlusten und zeigte sich nur noch mit 0,1 Prozent im Minus, während den Nasdaq-Börsen der Sprung ins Plus gelang.

Gefragt waren einmal mehr Anlagen, die in Zeiten hoher Unsicherheit als «sichere Häfen» gelten: neben Gold etwa auch Bundesanleihen. Und während deren Kurse stiegen, gerieten die Renditen weiter unter Druck und erreichten neue Rekordtiefs. Die Umlaufrendite, die aus dem Durchschnitt der im Handel befindlichen Bundesanleihen mit Laufzeiten von über 3 bis 30 Jahren ermittelt wird, fiel von minus 0,25 Prozent am Vortag auf ein Rekordtief von minus 0,29 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,18 Prozent auf 144,44 Punkte, während der Bund Future um 0,11 Prozent auf 167,71 Punkte sank.

Das britische Pfund als Krisenbarometer nach dem Brexit-Votum rutschte zeitweise erstmals seit 1985 unter die Marke von 1,28 US-Dollar. Der Kurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1069 (Dienstag: 1,1146) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9034 (0,8972) Euro.

Im Dax standen erneut die Bankwerte unter Druck. Die Aktien von Commerzbank und Deutscher Bank fielen auf neue Tiefstände und beendeten mit minus 3,60 Prozent bzw. minus 5,56 Prozent den Tag.

Die Adidas-Aktien hingegen zählten zu den wenigen gefragten Titeln an diesem Tag. Mit einem Plus von 1,95 Prozent auf 128,00 Euro schlossen sie nur knapp unter ihrem am Montag erreichten Rekordhoch von 129,40 Euro. Die Papiere des Sportartikelherstellers zählen zu den wenigen Kursgewinnern seit Jahresbeginn und sind mit einem Kursplus von insgesamt rund 42 Prozent mit Abstand Dax-Favorit.

Die Anteilsscheine der Deutschen Börse legten um 0,61 Prozent zu. Während die Deutsche und die Londoner Börse trotz des Brexit-Votums weiter an einem Zusammenschluss festhalten, sieht inzwischen auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) den geplanten Hauptsitz in der britischen Hauptstadt kritisch.