Briten stimmen ab: Bleiben sie in der EU, treten sie aus?

Europa hält den Atem an: Nach einem erbitterten Wahlkampf entscheiden die Briten, ob sie in der Europäischen Union (EU) bleiben oder austreten. Trotz zahlreicher Mahnungen aus der ganzen Welt, in der Union zu bleiben, ist der Ausgang des historischen Votums völlig offen. Auch das Schicksal des britischen Premierministers David Cameron könnte vom Ergebnis abhängen.   

Briten stimmen ab: Bleiben sie in der EU, treten sie aus?
Hannah Mckay Briten stimmen ab: Bleiben sie in der EU, treten sie aus?

Die Wahlkokale öffneten im ganzen Land um 08.00 MESZ. 46,5 Millionen Briten dürfen bis 23.00 MESZ an die Urnen gehen. Erste Ergebnisse werden am Freitagmorgen erwartet. Bereits kurz nach Verkündung des Wahlergebnisses dürfte Cameron in Downing Street 10 vor die Presse treten. 

Umfragen sagen weiterhin zumeist ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Viele Wähler waren noch kurz vor dem Urnengang unentschlossen. Eine Erhebung des Instituts YouGov sieht das Pro-EU-Lager mit 51:49 Prozent vorn.

«Die derzeitigen Umfragen legen ein zu knappes Rennen nahe, als dass eine Vorhersage möglich ist», meinte das Institut. Aber es gebe einen neuen «Trend zum Drinbleiben». Dies bestätige Beobachtungen bei anderen Unabhängigkeits-Voten in der Vergangenheit: Kurz vor dem Urnengang gebe es eine Bewegung der Wähler zur Erhaltung des Status quo. 

Ein Brexit - ein Ausstieg Großbritanniens aus der EU - würde die Union in die vermutlich schwerste Krise ihrer Geschichte stürzen. Zahlreiche europäische Politiker sowie US-Präsident Barack Obama hatten die Briten vor einem Austritt gewarnt. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) und andere Institutionen sagten wirtschaftliche Turbulenzen im Falle eines Brexit voraus. 

Finanzexperten gehen davon aus, dass das britische Pfund bei einer Mehrheit für den EU-Austritt dramatisch abstürzen könnte. EU-Politiker wiederum fürchten, dass ein Brexit Austrittswünsche in anderen Ländern beflügeln dürfte - und damit zusätzliche Probleme für die EU bringt. 

Bis zuletzt kämpften das Brexit-Lager und das Pro-EU-Lager um Wähler. Camerons Hauptargument war, dass ein Ausstieg ein «Sprung ins Unbekannte» wäre. Das Ausscheiden aus dem gemeinsamen Markt würde schwere wirtschaftliche Nachteile für die Briten bringen. Wohlstand und Jobs wären gefährdet.

Der Brexit-Wortführer, der ehemalige Londoner Bürgermeister Boris Johnson, tat dies als Panikmache ab. Ein Ausscheiden bedeute, dass das Land seine Souveränität zurückerhalte. Außerdem spare es dann Millionen an EU-Zahlungen ein. Auch lasse sich die Einwanderung nach Großbritannien als EU-Land nicht effektiv bekämpfen.

Unklar ist das politische Schicksal Camerons. Zwar betonte er vor dem Urnengang immer wieder, dass er in jedem Fall im Amt bleiben wolle. Doch ein Sieg des Brexit-Lagers würde eine schwere Niederlage für ihn bedeuten. Es gilt als fraglich, ob er danach tatsächlich weiterregieren könnte. Auch Johnson werden Ambitionen auf das Amt des Premiers nachgesagt.