Hintergrund: Die wichtigsten Player bei den Verhandlungen

Der Schuldenstreit zwischen Griechenland und seinen Geldgebern wird von einer guten Handvoll Politikern bestimmt. Wer sind die wichtigsten Akteure?

Hintergrund: Die wichtigsten Player bei den Verhandlungen
Olivier Hoslet Hintergrund: Die wichtigsten Player bei den Verhandlungen

BUNDESKANZLERIN ANGELA MERKEL UND FINANZMINISTER WOLFGANG SCHÄUBLE: Die klare Devise von Merkel und Schäuble: Keine Leistung ohne Gegenleistung, europäische Solidarität gegen griechische Anstrengung. Es gab zwischen beiden auch schon Unstimmigkeiten. 2010 bestand Merkel - anders als zunächst Schäuble - auf Einbeziehung des IWF. Merkel betont stets, dass sie Athen im Euro halten will. Schäuble bekräftigt, Europa und die Eurozone funktionieren nur, wenn Regeln eingehalten werden. Spekulationen, Merkel und Schäuble würden nicht mehr an einem Strang ziehen, weisen ihre Sprecher zurück. Die Verhandlungen sind inzwischen Chefsache. In der Unions-Fraktion gilt Schäuble aber als Garant, dass es nicht zu viele Zusagen an Athen gibt. Das ist auch im Sinne vieler, vor allem kleinerer Euro-Länder.

In Griechenland pocht Regierungschef ALEXIS TSIPRAS auf eine Lockerung der strikten EU-Sparvorgaben. Der wichtigste Mann seines Syriza-Bündnisses für die Finanz-Verhandlungen dürfte der erfahrene Politiker GIANNIS DRAGASAKIS sein. Er ist einer der wenigen Funktionäre der Linkspartei, der Regierungserfahrung hat. Er war 1989 für kurze Zeit in einer Übergangsregierung stellvertretender Wirtschaftsminister. Der aus Kreta stammende Politiker und Ökonom meint seit Ausbruch der Finanzkrise, der griechische Schuldenberg sei nicht tragbar. Es müsse einen Schuldenschnitt geben.

Offiziell wurden die Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern zunächst vom griechischen Finanzminister GIANIS VAROUFAKIS geführt. Der stets lässig gekleidete Wirtschaftsprofessor löste aber mehrfach Eklats aus, provozierte mit markigen Sprüchen und nervte seine Kollegen in der Eurogruppe mit philosophischen Vorträgen, statt sich auf konkrete Zahlen festzulegen. Ende April zog Tsipras die Konsequenzen, Varoufakis wurde als Unterhändler aus dem Verkehr gezogen. Seine Position in der Rolle des Chefkoordinators übernahm stellvertretende Außenminister EUCLIDES TSAKALOTOS.

JEROEN DIJSSELBLOEM: Der niederländische Finanzminister ist der offizielle Repräsentant der Eurogruppe - also der 19 EU-Länder, die die Gemeinschaftswährung eingeführt haben. Er übernahm den schwierigen Job mitten in der Euro-Schuldenkrise 2013 - und galt im internationalen Politikgeschäft anfangs als überfordert.

MARIO DRAGHI: Der italienische Wirtschaftswissenschaftler ist als Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) im Hintergrund einer der wichtigsten Akteure bei der Griechenland-Rettung. Kritiker werfen ihm vor, die Befugnisse der Notenbank überdehnt zu haben und die Geldpolitik zum Spielball der Regierungen - vor allem der Krisenstaaten - gemacht zu haben. Unter seiner Führung pumpte die Notenbank billiges Geld in das Bankensystem, schaffte die Zinsen im Euroraum quasi ab und schuf ein Kaufprogramm, um notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenstaaten zu erwerben.

CHRISTINE LAGARDE: Die französische Politikerin steht seit Juli 2011 an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Juristin erwarb sich während der Finanzmarkt- und Euro-Turbulenzen einen Ruf als umsichtige Krisenmanagerin. Ohne den IWF geht bei der Griechenland-Rettung nichts. Allein das aktuelle Hilfsprogramm ist 28 Milliarden Euro schwer.

JEAN-CLAUDE JUNCKER: Der EU-Kommissionspräsident übernahm in den vergangenen Monaten eine Vermittlerrolle. Ein Versuch, die Basis für eine Abmachung der Eurogruppe über das griechische Reformpaket zu legen, scheiterte am Wochenende. Als früherer Euroretter und Eurogruppenchef gilt Juncker als einer der wenigen, die bei der Griechenland-Rettung jedes Detail verstehen.