Ist Griechenlands Staatspleite noch abzuwenden?

Einen Tag vor der entscheidenden Sitzung der Eurogruppe zur Griechenland-Krise laufen die Bemühungen zur Abwendung der Staatspleite in Athen auf Hochtouren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel traf am Freitag in Brüssel noch einmal mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras und mit dem französischen Präsidenten François Hollande zusammen. Das bestätigten Verhandlungskreise am Rande des EU-Gipfels.

Nach Angaben aus Athen informierte Tsipras Merkel und Hollande über die griechische Position im Streit mit den internationalen Geldgebern. Er habe dabei Unverständnis über die harte Haltung der Institutionen geäußert, die auf weiteren Sparmaßnahmen bestünden. Die bisher erfolglosen Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Europäischen Zentralbank (EZB) und der EU-Kommission sollten am Freitag fortgesetzt werden.

Am Samstag um 17.00 Uhr treffen die Euro-Finanzminister nach vier erfolglosen Anläufen erneut in Brüssel zusammen. Merkel hatte in der Nacht noch einmal betont, es sei Sache der Eurogruppe, einen Beschluss über ein griechisches Reform- und Sparpaket zu treffen, um die Staatspleite abzuwenden.

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem sagte, Samstagnacht müsse eine Entscheidung fallen. «Morgen muss es echt geschehen», betonte der niederländische Finanzminister in Den Haag. Wenn dann kein gutes Reformpaket auf dem Tisch liege, «ist es zu spät».

Am Dienstag endet das laufende Hilfsprogramm für Griechenland. Zugleich wird die Rückzahlung von 1,6 Milliarden Euro an den internationalen Währungsfonds (IWF) fällig.

Dijsselbloem verwies darauf, dass eine Einigung noch von mehreren nationalen Parlamenten gebilligt werden müsse, darunter auch der Bundestag. Auf die Frage, ob eine Einigung noch möglich sei, sagte der Sozialdemokrat zögernd: «Ja, das geht noch.» Athen müsse einsehen, dass harte Eingriffe unvermeidlich seien, «mehr auf dem Gebiet von Reformen als Sparmaßnahmen», fügte Dijsselbloem hinzu.

Auch die Staats- und Regierungschefs der EU hatten den Druck auf Athen noch einmal erhöht. EU-Ratspräsident Donald Tusk betonte am frühen Freitagmorgen, der Gipfel unterstütze die internationalen Geldgeber, mit denen Athen um ein Spar- und Reformpaket streitet. Der Gipfel verlangte von Tsipras, das neue Angebot der Institutionen anzunehmen. Eine Abmachung über das Paket ist Voraussetzung für die Auszahlung von blockierten Hilfen von 7,2 Milliarden Euro.