Protokoll: Der Nervenkrieg um die Griechenland-Rettung

Dramatische Stunden in Brüssel: Seit Samstag haben die Eurostaaten in einem beispiellosen Verhandlungsmarathon darum gerungen, ob Gespräche über ein drittes Hilfspaket für Griechenland aufgenommen werden können - oder das pleitebedrohte Land aus der Eurozone ausscheiden muss.

Protokoll: Der Nervenkrieg um die Griechenland-Rettung
Frank Rumpenhorst Protokoll: Der Nervenkrieg um die Griechenland-Rettung

Ein Minutenprotokoll:

SAMSTAG

02.24, Athen: Das griechische Parlament erteilt Ministerpräsident Alexis Tsipras die Vollmacht, über weitere Spar- und Reformmaßnahmen mit den Gläubigern zu verhandeln. Tsipras verpasst die Regierungsmehrheit.

15.00: Die Finanzminister der Eurozone kommen in Brüssel zusammen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äußert sich skeptisch zu den neuen Spar- und Reformvorschlägen aus Griechenland.

17.05: Es wird klar, dass das griechische Reformpaket vielen Finanzministern nicht ausreicht. «Auf dem Papier sind die Vorschläge nicht gut genug», sagt Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem. In den folgenden Stunden entbrennt in der Eurogruppe ein heftiger Streit.

18.22: Die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» («FAS») berichtet über ein Positionspapier, das Schäuble anderen Eurostaaten übermittelt hat: Entweder Athen bessere seine Vorschläge rasch nach - oder das Land solle die Eurozone für mindestens fünf Jahre verlassen.

SONNTAG:

00.11: Die Euro-Finanzminister unterbrechen ihre Krisensitzung ohne Einigung und vertagen sich auf Sonntagmorgen.

09.58: EU-Ratspräsident Donald Tusk sagt den für den Abend geplanten Sondergipfel aller 28 EU-Staaten ab. Stattdessen soll es nur das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Euroländer geben.

11.00: Die Euro-Finanzminister setzen ihre Beratungen in Brüssel fort. Sie formulieren einen vierseitigen Forderungskatalog an Athen. Zentrale Punkte: Das griechische Parlament soll bis Mittwoch ein erstes Gesetzespaket verabschieden, das etwa die Vereinheitlichung der Mehrwertsteuer sowie die Reform des Rentensystems vorsieht. Außerdem soll Athen Vermögenswerte an einen Treuhandfonds übertragen, der sie verkaufen und damit Schulden abtragen soll.

16.00 Uhr: Die 19 Staats- und Regierungschefs der Euroländer treffen sich zum entscheiden Krisengipfel. Tsipras erklärt sich bereit zu einem «ehrlichen Kompromiss». Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt, es werde «keine Einigung um jeden Preis geben».

19.16: Das Gipfeltreffen wird unterbrochen. Merkel, Frankreichs Präsident François Hollande und EU-Ratspräsident Tusk ziehen sich mit Tsipras und dessen Finanzminister Euklid Tsakalotos zu einem Gespräch im kleinen Kreis zurück. In der Nacht folgen weitere Runden.

MONTAG:

Nacht: Unter großen Mühen gibt es erste Vereinbarungen. Nach Angaben von Diplomaten akzeptiert Tsipras unter anderem, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) bei der Rettung seines Landes an Bord bleibt. Er wehrt sich aber weiter gegen andere Kernforderungen, vor allem gegen einen Privatisierungsfonds.

04.42: EU-Ratspräsident Donald Tusk legt nach Angaben von Diplomaten einen Kompromissvorschlag vor. Am frühen Morgen treffen sich Merkel, Hollande, Tusk und Tsipras erneut im kleinen Kreis.

07.37: Nur noch die Frage des Privatisierungsfonds ist offen.

08.56: Der luxemburgische Premier Xavier Bettel teilt über Twitter mit, man sei «nahe an einer Einigung».

08.56: Der Durchbruch: Diplomaten bestätigen, dass in kleiner Runde ein Kompromiss über einen Privatisierungsfonds gelungen ist.

08.59: EU-Gipfelchef Tusk bestätigt, dass sich die Staats- und Regierungschefs der Eurozone einstimmig auf ein umfangreiches Spar- und Reformpaket für das Krisenland verständigt haben. Das Ziel ist erreicht.