Buchmesse: Eltern fürs Lesenlernen unverzichtbar

Die Leipziger Buchmesse will Kinder möglichst früh für Bücher begeistern. Bei einer Podiumsdiskussion warben Experten am Freitag dennoch dafür, auch digitale Medien wie Kinderbuch-Apps und interaktive Geschichten für das Lesenlernen zu nutzen.

Buchmesse: Eltern fürs Lesenlernen unverzichtbar
Jens Kalaene Buchmesse: Eltern fürs Lesenlernen unverzichtbar

Unverzichtbar sei aber in jedem Fall das Gespräch mit den Eltern.

«Für Kinder ist es wichtig, dass ein Dritter mit im Bunde ist», sagte der Professor für Grundschuldidaktik, Michael Ritter, in der Debatte unter dem provokativen Titel: «Lesen lernen: Natürlich mit Buch oder tut’s die App auch?»

Nach dem neuesten Trendbericht vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels nimmt das Interesse an Kinder- und Jugendbüchern zu. In den vergangenen fünf Jahren stieg der Umsatz in dieser Sparte um 10,6 Prozent gegenüber der Zeit von 2005 bis 2009.

Das größte Plus (33 Prozent) verzeichneten Titel aus dem Bereich Spielen und Lernen. Erstlese- und Vorschulbücher legten um 20 Prozent zu. Insgesamt machen Kinder- und Jugendbücher gut 17 Prozent am Gesamtumsatz des Buchhandels aus.

Bestseller des vergangenen Jahres waren John Greens Jugendroman «Das Schicksal ist ein mieser Verräter», das Bilderbuch «Der Grüffelo» und das Erstlesebuch «Der kleine Drache Kokosnuss und der geheimnisvolle Tempel» von Ingo Siegner.

Das Buch bleibt nach Ansicht der Experten für Kinder trotz des Computers wertvoll, weil man es mit Eltern oder Großeltern gemeinsam lesen und teilen kann. «Die digitalen Medien richten sich sehr stark auf eine Person und saugen sie auf», sagte der Kinderbuchillustrator Karsten Teich («Cowboy Klaus»).

Gerade in Familien, in denen das gemeinsame Lesen keine Tradition hat, können der Berliner Leseclubleiterin Sibylle Freudenberg zufolge Apps eine wichtige Rolle spielen. «Es sollten aber anspruchsvolle Kinder-Apps sein, etwa mit einem zusätzlichen Puzzle oder Memory, das sich auf die Geschichte bezieht.»

Nach der Vergabe der Leipziger Buchpreise am Donnerstag stand am zweiten Tag des Branchentreffs das direkte Gespräch mit Autoren im Mittelpunkt. Angekündigt waren unter anderen Arno Geiger, Sibylle Berg und DJ Westbam mit seiner Autobiografie «Die Macht der Nacht».

Der Schriftsteller Thomas Brussig («Helden wie wir») verriet, dass er beim Schreiben seiner Romane keine Verfilmung im Hinterkopf hat. «Sonst würde ich ja gleich ein Drehbuch schreiben», sagte der 50-Jährige. An seinem neuen Roman «Das gibts in keinem Russenfilm» habe es ihm besonders Spaß gemacht, realen Persönlichkeiten ein fiktives neues Leben anzudichten.

Der Schweizer Journalist Manfred Papst (Jahrgang 1956) wurde bei der Messe mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik geehrt. Der mit 5000 Euro dotierte Preis ist nach dem berühmten Kritiker Alfred Kerr (1867-1948) benannt und wurde vom «Börsenblatt» gestiftet.

Insgesamt werden bis zum Sonntag mehr als 170 000 Besucher auf dem Messegelände erwartet. Dieses Jahr sind mehr als 2200 Aussteller aus 42 Ländern vertreten. Bei jungen Leuten besonders gefragt ist die Manga-Comic-Convention, die mit Comics, Cosplay und Spielen aufwartet.