Bund senkt Wachstumsprognose für 2017

Die deutsche Wirtschaft wird aus Sicht der Bundesregierung nur leicht von der schwächelnden Weltkonjunktur getroffen und auf Wachstumskurs bleiben.

Bund senkt Wachstumsprognose für 2017
Michael Kappeler Bund senkt Wachstumsprognose für 2017

Wie zuvor schon mehrere Ökonomen korrigierte die Bundesregierung aber ihre Prognose für das nächste Jahr etwas nach unten. In der von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Mittwoch vorgelegten Frühjahrsprojektion wird für 2017 nun mit einem Konjunkturplus von 1,5 Prozent gerechnet. Im Oktober war noch ein Zuwachs von 1,8 Prozent erwartet worden.

Gabriel wies darauf hin, dass 2017 in Deutschland zwei Arbeitstage weniger anfielen. Dies schlage mit 0,2 Prozentpunkten weniger Wachstum zu Buche. Für das laufende Jahr bleibt es bei dem im Januar geschätzten Plus von 1,7 Prozent.

Trotz des abgeschwächten Wachstums wird auch für das nächste Jahr eine Rekordbeschäftigung von 43,9 Millionen Erwerbstätigen unterstellt. Die Zahl der Arbeitslosen dagegen dürfte angesichts «der schrittweise erfolgenden Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt» aber leicht um 110 000 Personen auf 2,86 Millionen im Jahresschnitt steigen.

«Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft wird sich in diesem und im kommenden Jahr fortsetzen», erklärte Gabriel. Die wirtschaftliche Entwicklung sei durchaus zufriedenstellend. «Wir haben einen gut laufenden Konjunkturmotor», betonte der Vizekanzler.

Dank der binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte sei die deutsche Wirtschaft weniger abhängig von externen Faktoren. Die stärkere Binnennachfrage sorge auch bei Handelspartnern für positive Impulse, sagte der Vize-Kanzler mit Blick auf die Kritik, Deutschland tue zu wenig beim Abbau der globalen wirtschaftlichen Ungleichgewichte.

«Der Arbeitsmarkt entwickelt sich ausgesprochen gut», hieß es weiter. Die Beschäftigung steige kräftig und sorge bei spürbaren Lohnsteigerungen und stabilen Preisen dafür, dass die Menschen von der günstigen Wirtschaftsentwicklung profitierten. Daher sei er «zuversichtlich, die Herausforderungen im Zuge der Flüchtlingsmigration zu meistern», sagte Gabriel weiter.

Die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer nehmen in diesem Jahr der Regierungsprognose zufolge um 2,6 Prozent und im kommenden Jahr um 2,2 Prozent zu. Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte dürften aufgrund der guten Lohnentwicklung und der Rentenanpassungen in den Jahren 2016 und 2017 um 2,9 Prozent zulegen. Zugleich werden die Verbraucherpreise aus Sicht der Regierung nur moderat stiegen. Somit ergebe sich eine deutliche Steigerung der realen Kaufkraft.

Das weltwirtschaftliche Wachstum sei insgesamt noch fragil. Der Euro-Wechselkurs wirke sich aber weiter günstig auf die Exportchancen der deutschen Wirtschaft aus. Für 2016 werde mit einem Exportplus von 2,9 Prozent gerechnet und für 2017 von 3,7 Prozent.

Ökonomen und der Internationale Währungsfonds (IWF) hatten zuvor auch für dieses Jahr ihre Vorhersagen leicht nach unten korrigiert und dies mit der verhaltenen Weltkonjunktur und wachsenden Risiken begründet. Die führenden Forschungsinstitute hatten ihre Schätzung für dieses Jahr von 1,8 Prozent auf 1,6 Prozent reduziert. Für 2017 erwarten sie einen Zuwachs um 1,5 Prozent. Der IWF rechnet mit einem Plus von 1,5 Prozent in diesem und 1,6 Prozent im nächsten Jahr.

Die Frühjahrsprojektion ist Grundlage für die Steuerschätzung vom 2. bis 4. Mai 2016 in Essen.