Bundesagentur rechnet 2014 mit leichtem Jobaufschwung

Die erwartete Belebung der deutschen Wirtschaft wird nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit (BA) auch auf den Arbeitsmarkt im neuen Jahr durchschlagen.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise rechnet für 2014 mit einer durchschnittlichen Jahresarbeitslosigkeit von 2,90 Millionen; dies wären rund 50 000 Erwerbslose weniger als 2013. Weise verwies am Dienstag in Nürnberg auf die von Wirtschaftsforschern prognostizierte gute Binnenkonjunktur, die sich abzeichnende «Stabilisierung der Krisenländer» der Eurozone und den erstarkenden Export.

Im Dezember 2013 hatte die milde Witterung die sonst zum Jahresende übliche Winterarbeitslosigkeit spürbar gedämpft. Die Zahl der Erwerbslosen stieg dadurch lediglich um 67 000 auf 2,873 Millionen. Der saisonbedingte Zuwachs sei damit schwächer ausgefallen als in den vergangenen Jahren, sagte Weise. Im Vergleich zum Vorjahr waren im Dezember 33 000 Menschen mehr auf Jobsuche. Die Arbeitslosenquote legte im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Punkte auf 6,7 Prozent zu.

2013 beschrieb Weise als «schwieriges Jahr» für den Arbeitsmarkt. So sei die Zahl der Erwerbslosen trotz des leichten Wirtschaftswachstums erstmals seit 2009 wieder gestiegen - und zwar im Schnitt um 53 000 auf 2,95 Millionen. «Außerdem hat sich im Vorjahr am Arbeitsmarkt zwar gezeigt, dass es mehr Beschäftigte gibt. Für Arbeitslose war es aber schwierig, von dem Beschäftigungsaufbau zu profitieren», bedauerte Weise. «Die Dynamik am Arbeitsmarkt im Jahr 2013 war eindeutig schwächer als im Jahr 2012.»

Für das Jahr 2014 sehe er mehrere Herausforderungen, betonte Weise. So habe sich die Bundesagentur vorgenommen, mehr Langzeitarbeitslosen zu einem Job zu verhelfen und dafür zu sorgen, «dass sie in guter Arbeit bleiben». Zudem müsse mehr Jugendlichen der Einstieg ins Berufsleben gelingen. Jobsucher sollten mit verstärkter Aus- und Fortbildung für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden. Weise sieht darin eine «Investition, die eine hohe Rendite verspricht, wenn damit Arbeitslose dauerhaft Arbeit finden».
  
Einen leichten Schub erfuhr der Arbeitsmarkt im Dezember von der Konjunktur. Darauf weist die saisonbereinigte Entwicklung der Arbeitslosigkeit hin: Ohne die im Dezember meist stärker ausfallenden jahreszeitlichen Effekte wäre die Arbeitslosigkeit um 15 000 gesunken. Auch entstehen nach Erkenntnissen des Statistischen Bundesamtes weiterhin neue Arbeitsplätze.

Die neue Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bezeichnete die aktuellen Zahlen als guten Start ins Jahr. Die Daten zeigten, dass die Beschäftigungssituation «sehr wetterfest ist». Nahles wies allerdings darauf hin, dass nicht nur die Beschäftigung steige, sondern auch die Zahl der Arbeitslosen. Daher wolle sie ein besonderes Augenmerk auf deren Qualifizierung richten; oft stimme die Ausbildung besonders von Langzeitarbeitslosen nicht mit dem Bedarf überein.

Die Unionsfraktion im Bundestag sprach von einem «sehr stabilen deutschen Arbeitsmarkt». Die neue Arbeitsministerin solle die Chance nutzen, um bei anspringender Konjunktur mehr Langzeitarbeitslose und andere Benachteiligte in Lohn und Brot zu bringen, erklärte der sozialpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karl Schiewerling. Die Arbeitgeberverbände (BDA) appellierten an die große Koalition, alles zu unterlassen, was den Einstieg in Arbeit erschwere.

Skeptischer beurteilen die Oppositionsparteien die aktuelle Lage. Nach Ansicht der Grünen im Bundestag sind die «fetten Jahre am Arbeitsmarkt» vorbei. Von der konjunkturellen Entwicklung profitierten die Arbeitslosen schon lange nicht mehr, kritisierte die Grünen-Abgeordnete Brigitte Pothmer. Vor allem Langzeitarbeitslose blieben auf der Strecke. Ebenso wie die Linkspartei im Bundestag forderte Pothmer, Langzeitarbeitslosigkeit zu bekämpfen und prekäre Jobs zurückzudrängen. Bisher werde der Koalitionsvertrag dem aber in keiner Weise gerecht, kritisierte die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann.