Bundesbank sieht Deutschland vor kräftigem Aufschwung

Getrieben von der starken Binnenwirtschaft wird sich die Konjunkturerholung in Deutschland nach Einschätzung der Bundesbank beschleunigen.

Bundesbank sieht Deutschland vor kräftigem Aufschwung
Boris Roessler Bundesbank sieht Deutschland vor kräftigem Aufschwung

«Die deutsche Volkswirtschaft befindet sich in einem guten Zustand: Die Arbeitslosenquote ist niedrig, die Beschäftigung steigt weiter, und der Lohnanstieg normalisiert sich», sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann bei der Vorlage der neuen Halbjahresprognose der Notenbank am Freitag in Frankfurt. Zudem seien die Zinsen niedrig: «Diese Faktoren stützen den privaten Verbrauch und treiben den Wohnungsbau an.»

Nach dem schwachen Winter rechnen die Bundesbank-Ökonomen für das laufende Jahr mit einem leichten Wachstum von 0,5 Prozent. 2014 dürfte die Dynamik dann aber zunehmen: Das Bruttoinlandsprodukt werde um 1,7 Prozent steigen. Für 2015 erwarten die Notenbanker ein Wachstum um 2,0 Prozent. Der Aufschwung werde sich auch nochmals positiv auf die Beschäftigung auswirken.

Damit bleibt Deutschland Europas Konjunkturlokomotive. Denn die Wirtschaft im gesamten Euroraum wird nach den neuesten Prognosen der Europäischen Zentralbank im kommenden Jahr um 1,1 Prozent wachsen und 2015 um 1,5 Prozent.

Auch von den Weltmärkten erwartet die Bundesbank bald wieder Impulse. Zwar habe der traditionell starke deutsche Außenhandel zuletzt zur Schwäche geneigt. «Mit der weiteren konjunkturellen Aufhellung in den Industrieländern und der sich abzeichnenden Verbesserung im Euro-Gebiet sollten aber die Ausfuhren und in deren Folge Unternehmensinvestitionen und Einfuhren anziehen», sagte Weidmann. Die deutschen Unternehmen würden von der erwarteten Expansion der Exportmärkte um vier Prozent im kommenden und fünf Prozent im darauffolgenden Jahr profitieren.

An der Preisfront wird nach Überzeugung der Bundesbank hingegen in den kommenden Jahren Ruhe herrschen. Der Anstieg der Verbraucherpreise (gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex HVPI) werde von 1,6 Prozent in diesem Jahr auf 1,3 Prozent im Jahr 2014 sinken und sich 2015 wieder auf 1,5 Prozent verstärken.

Diese Rate ohne die Energiepreise dürfte sich in Folge des verstärkten Lohnanstiegs bis zum Jahr 2015 auf 1,9 Prozent erhöhen, schreiben die Notenbanker: «Die im Vergleich zur vergangenen Dekade nachhaltig verbesserte Arbeitsmarktlage schlägt sich in einer Verstärkung des Lohnanstiegs nieder, die als Normalisierung zu sehen ist.»

Vor allem im Ausland sieht die Bundesbank Konjunkturrisiken: «Die Auswirkungen der Staatsschuldenkrise im Euro-Gebiet wurden zwar eingedämmt und wichtige Reformen eingeleitet. Die hohe Verschuldung und die fortbestehenden Strukturprobleme werden jedoch die Krisenanfälligkeit der europäischen und der globalen Wirtschaft hoch halten.»

Aber auch im Inland bestehen Risiken, warnte Weidmann: «Einige der in der Koalitionsvereinbarung in Aussicht gestellten Maßnahmen wie der Mindestlohn drohen die Leistungsfähigkeit der Arbeits- und Gütermärkte zu beschädigen.»