Bundesbank sieht Risiken für Finanzsystem durch niedrige Zinsen

Die Bundesbank warnt vor wachsenden Gefahren durch die niedrigen Zinsen. Die lockere Geldpolitik der Zentralbanken habe zwar dazu beigetragen, die Lage an den Finanzmärkten zu beruhigen.

Bundesbank sieht Risiken für Finanzsystem durch niedrige Zinsen
Boris Roessler Bundesbank sieht Risiken für Finanzsystem durch niedrige Zinsen

Das sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts am Donnerstag. Mit zunehmender Dauer nähmen aber Nebenwirkungen und Risiken für die Finanzstabilität zu: «Das Niedrigzinsumfeld wird mehr und mehr zu einer Belastung für das deutsche Finanzsystem.»

So zehrten die niedrigen Zinsen die Puffer der Versicherer immer weiter auf. «Es wird angesichts der niedrigen Zinsen für Lebensversicherer immer schwieriger, die Garantieverzinsung zu erwirtschaften», sagte Dombret. Zudem entwickelten sich die Bewertungsreserven in den Bilanzen der Versicherer zu einem Problem, wenn diese an die Versicherten ausgeschüttet werden müssten.

Auch die deutschen Banken, die traditionell stark vom Zinsüberschuss leben, sind nach Ansicht der Bundesbank betroffen. Der harte Wettbewerb habe den Instituten in den vergangenen 15 Jahren schon stark zugesetzt, sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger. Die niedrigen Zinsen setzten die Geschäftsmodelle nun zusätzlich unter Druck. Die Geldhäuser müssten deshalb ihre Kosten senken.

Gefahren sieht die Bundesbank auch für den Immobilienmarkt. Nachdem die Preise vor allem in Großstädten von 2009 bis 2012 bereits um fast ein Viertel zugelegt hätten, rechnet die Bundesbank für 2013 mit einem weiteren Preisanstieg von rund 9 Prozent. Eine akute Gefahr erkennt sie jedoch noch nicht. So habe die Kreditvergabe nur moderat zugelegt. Zudem sei die Schuldentragfähigkeit der privaten Haushalte solide.

«Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass Immobilienbesitzer durch mögliche Preiskorrekturen Vermögensverluste erleiden», sagte Dombret. Er verwies auf die Erfahrungen anderer Länder, wo sich in Phasen langer Niedrigzinsen durchaus Preisblasen gebildet hätten. Die Bundesbank werde die Situation daher weiter genau beobachten.