Bundesliga-Clubs vor dem 13. Spieltag - «Mulmiges Gefühl»

Der Spieltag findet statt, doch der Terrorakt in Paris und die Absage des Länderspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden in Hannover können bei den Bundesliga-Clubs nicht ausgeblendet werden. Die Reaktionen:

Bundesliga-Clubs vor dem 13. Spieltag - «Mulmiges Gefühl»
Guido Kirchner Bundesliga-Clubs vor dem 13. Spieltag - «Mulmiges Gefühl»

«Ich habe volles Vertrauen in die Sicherheitsmaßnahmen, aber es bleibt ein mulmiges Gefühl», sagte Schalke-Trainer André Breitenreiter vor dem Topspiel der Fußball-Bundesliga am Samstag (18.30) gegen Bayern München.

Breitenreiter war am Dienstag nach Hannover gefahren, um privat mit seiner Familie die Partie anzuschauen. Besonders sein Sohn sei angesichts der Vorfälle verängstigt gewesen: «Es hat geweint.» Dennoch hält Breitenreiter es für richtig, dass es im Fußball normal weitergeht. «Ich bin total dafür, dass die Bundesliga stattfindet.»

Schalkes Jung-Nationalspieler Leroy Sané, der zum deutschen Aufgebot beim Länderspiel in Paris und gegen die Niederlande gehörte, sei trotz der dramatischen Ereignisse gut drauf: «Er hat es komplett verarbeitet. Im Training hatte ich nicht den Eindruck, dass es ihn so beschäftigt, dass er irgendwie beeinträchtigt ist.»

er FC Bayern München wird nach den Anschlägen von Paris und der Terrorwarnung in Hannover bei seinen Heimspielen auf die neue Sicherheitslage reagieren. In Abstimmung mit der Polizei wird es in der Allianz Arena zusätzliche und veränderte Sicherheitsvorkehrungen geben.

«Wir stehen in engem Kontakt mit DFL und DFB und den für die Sicherheit zuständigen Behörden. Ich kann bestätigen, dass es künftig intensivere und umfassende Personenkontrollen geben wird», erklärte Jan-Christian Dreesen, der als stellvertretender Vorstandsvorsitzender des deutschen Fußball-Rekordmeisters für das Thema Sicherheit zuständig ist.

«Zu weiteren Details möchte ich mich mit Rücksicht auf das mit den Behörden abgestimmte Sicherheitskonzept nicht äußern. Unsere Fans und alle Zuschauer bitten wir um Verständnis dafür, dass es am Einlass zu Verzögerungen kommen kann», erklärte Dreesen.

Der FC Bayern folgt mit seiner Reaktion auch den Empfehlungen von Polizei und Innenministerium. Der Club steht seit den Anschlägen von Paris in einem ständigen Austausch mit den für Sicherheit in der Allianz Arena zuständigen Behörden. Die Vorfälle der vergangenen Tage hätten «auch den FC Bayern München nachdrücklich beschäftigt», hieß es in der Mitteilung.

Das nächste Heimspiel der Münchner steht am Dienstag in der Champions League gegen Olympiakos Piräus an. In der Bundesliga ist am 28. November Hertha BSC zu Gast.

Werder Bremen hofft vor dem Spiel beim VfL Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr) auf die Rückkehr zur Normalität. «Wir sind davon überzeugt, dass an diesem Spieltag nichts passieren wird. Dies strahlen wir als Führung auch vor der Mannschaft aus», sagte Werders Sportdirektor Rouven Schröder.

Allerdings ist auch für den Ex-Profi klar, dass die Clubs nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. «Die Antennen sind ausgefahren. Jeden berührt dieses Thema. Jeder macht sich Gedanken, wie es weitergeht. Aber wir dürfen uns davon nicht beeinflussen lassen», kommentierte Schröder. «Der Fokus liegt am Samstag um 15.30 Uhr auf dem Fußball.»

Der Spieltag am Wochenende wird laut Schröder einen «neuen, wichtigen Erfahrungswert» für die kommenden Partien bieten. «Es wäre ein großer Gewinn, wenn der Spieltag normal läuft und wir uns über Tore freuen würden», sagte der Sportdirektor.

Nach Angaben von Werder-Trainer Viktor Skripnik hat keiner seiner Spieler eine psychologischen Betreuung erbeten. «Sie unterhalten sich darüber in der Kabine. Natürlich kann man nicht abschalten, aber ich hoffe, dass es mit der Zeit besser wird», sagte der Ukrainer, der keine Änderungen im üblichen Tagesablauf vor der Partie plant.

Sportlich muss Skripnik auf Theodor Gebre Selassie verzichten. Der Tscheche leidet weiterhin an den Folgen einer Gehirnerschütterung aus dem Augsburg-Spiel. Obendrein wird Ulisses Garcia ausfallen. «Er hat Probleme mit dem Knie», teilte der Coach mit.

Das Bundesligaspiel VfL Wolfsburg und Werder Bremen wird am Samstag (15.30 Uhr) unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Neben längeren Einlasskontrollen und Durchsuchungen der Fußball-Fans, werden rund um die Arena Polizisten mit Maschinenpistolen patrouillieren.

«An Präsenzpunkten in Stadionnähe werden Kollegen anders aussehen als sonst und anders bewaffnet sein als sonst», wird Wolfsburgs Polizeichef Hans-Ulrich Podehl in der «Wolfsburger Allgemeinen Zeitung» zitiert. «Wir wollen dem gesteigerten Sicherheitsbedürfnis der Besucher erkennbar Rechnung tragen.»

Stefan Reuter vom FC Augsburg hat den Fans angesichts der veränderten Sicherheitslage zu einer zeitigen Anreise bei den nächsten Partien geraten. «Ich glaube, dass die Zuschauer einen Tick früher zum Spiel kommen müssen, weil es sicher verschärfte Sicherheitskontrollen geben wird und die gewissenhaft durchgeführt werden. Da muss man sich drauf einstellen», sagte der Manager der Augsburger. «Jetzt muss man schauen, was man für die Sicherheit zusätzlich tun kann.»

In dem Interview vor Journalisten erinnerte sich Reuter auch an die Terroranschläge vom 11. September 2001. «Ich habe das damals selbst als Spieler erlebt, als es den Angriff auf das World Trader Center gab. Wir hatten mit Borussia Dortmund in Kiew ein Spiel am Abend», blickte Reuter zurück. «Am nächsten Tag sind dann die Spiele abgesagt worden. Da hast du natürlich ein ganz komisches Gefühl und hoffst, dass du sicher und gut nach Hause kommst.»

Der FC Augsburg hat am Samstag ein Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart. Die Augsburger haben erst in der nächsten Woche in der Europa League gegen Athletic Bilbao (Donnerstag, 19.00 Uhr) ein Heimspiel. Bis dahin werde die Lage mit Polizei und Sicherheitskräften bewertet und falls nötig reagiert, sagte Sprecher Dominik Schmitz.