Bundestrainer Kirchner macht die Biathleten flott

Mark Kirchner ist nach seinem verdienten Ruhetag längst wieder im Dienst, wenn sich Biathlon-Weltmeister Erik Lesser sowie seine Teamkollegen Simon Schempp, Arnd Peiffer und Daniel Böhm am Donnerstag im 20-Kilometer-Einzel auf die Jagd nach den nächsten WM-Medaillen machen.

Bundestrainer Kirchner macht die Biathleten flott
Ralf Hirschberger Bundestrainer Kirchner macht die Biathleten flott

Der Bundestrainer steht dann wie immer mit seinem Fernrohr am Schießstand von Kontiolahti. Im Vorfeld hat Kirchner die Euphorie gedämpft: «Biathlon ist ein sehr hartes Geschäft geworden. Man kann nicht jeden Tag ganz oben stehen.»

Seit Kirchner als Chefcoach Regie führt, geht es mit den deutschen Skijägern bergauf. Nach den medaillenlosen Olympischen Spielen in Vancouver 2010 trat er an die Stelle des jetzigen Langlauf-Bundestrainers Frank Ullrich. An seiner Seite stand zunächst als Co-Trainer Fritz Fischer. Der Publikumsliebling war nie um einen Spruch verlegen. Fischers Rolle nimmt seit diesem Winter Andreas Stitzl ein, der für den Stützpunkt Ruhpolding verantwortlich ist. Dort trainieren Andreas Birnbacher, der sich von der WM mit einer Erkältung abgemeldet hat, und Schempp.

Kirchner, der in Oberhof wirkt, gibt sich in der Öffentlichkeit meist distanziert und abgeklärt. «Viel Konstruktives werdet ihr nicht erfahren von mir, weil ich Ruhetag habe», beschied er die Journalisten am Tag nach Lessers Gold-Coup. Der Mann aus Scheibe-Alsbach in Thüringen, der bei Olympia und WM selbst zehnmal Gold gewonnen hat, pflegt gerne sein Image.

Seine Sportler lassen nichts auf ihn kommen. Der 44-Jährige hat den allerbesten Draht zu ihnen. Er schützt sie vor Kritik. Und er liefert gute Arbeit ab. Obwohl «wir keine Überflieger» hatten, wie Kirchner sagt, sei «seit Olympia 2010 eine gute Mannschaft geformt» worden. Lessers Triumph «war wieder eine Bestätigung, dass wir Siegläufer haben können. Das ist ein Fingerzeig, dass unser Weg in den letzten vier Jahren nicht der falsche war.»

Vor allem mit Lesser ist auch im Biathlon-Klassiker zu rechnen. «Es geht weiter mit meinem Lieblingsrennen, dem Einzel über 20 Kilometer. Da war ich ja schon ein bisschen erfolgreich, letztes Jahr, habe die Silbermedaille in Sotschi gewonnen», erinnerte der Thüringer im Trikot seines Lieblings-Fußballvereins FC Erzgebirge Aue an seine olympische Sternstunde.

Wie schnell es in die andere Richtung gehen kann, zeigt das Beispiel von Simon Schempp. Nach seinen acht Podestplätzen und drei Saisonsiegen war der Schwabe genau wie Ex-Weltmeister Arnd Peiffer im Sprint vom Pech verfolgt. «Es ist immer ein bisschen abhängig von den Bedingungen, ein bisschen vom Glück, was man auf der Strecke hat», sagt Lesser. Seiner Marschrichtung bleibt er treu: «Die Top Ten will ich schon anpeilen, und ich bin da ganz guter Dinge.» Dieser Satz hätte auch von Kirchner stammen können.