Bundeswehr kämpft mit der Technik: Nun Mängel am «Eurofighter»

Die Pannenserie bei der Bundeswehr trifft nun auch die «Eurofighter»-Kampfjets. Bei den Fliegern wurden am hinteren Rumpf fehlerhafte Nietenbohrungen festgestellt. Als Konsequenz hat das Verteidigungsministerium die Abnahme neuer Jets gestoppt.

Bundeswehr kämpft mit der Technik: Nun Mängel am «Eurofighter»
Ingo Wagner Bundeswehr kämpft mit der Technik: Nun Mängel am «Eurofighter»

Auf aktuelle Einsätze hat die neue Rüstungspanne allerdings keine Auswirkungen. Der Einsatz von sechs «Eurofightern» zur Luftraumüberwachung über dem Baltikum wird fortgesetzt.

Die Panne wurde am Dienstagabend vom Verteidigungsministerium bekanntgemacht, mehr als eine Woche nachdem die Hersteller darüber informiert hatten. Produziert wird der Kampfjet von Airbus sowie BAE Systems und Alenia Aermacchi.

Als Sofortmaßnahmen halbierten die Unternehmen die freigegebene Lebensdauer von 3000 auf 1500 Flugstunden. Das bedeutet faktisch eine Verkürzung der Garantiezeit, was aber keine Auswirkungen hat, weil alle Bundeswehr-«Eurofighter» noch weit von 1500 Flugstunden entfernt sind. Bei einer Behebung des Problems würde die freigegebene Lebensdauer wieder hochgesetzt.

Das Verteidigungsministerium will der Industrie nun aber vorerst keine neuen Jets mehr abnehmen - um Nachteile zu vermeiden und ihre Ansprüche zu wahren. Eigentlich ist die Abnahme sechs weiterer Jets bis Jahresende geplant. Ob es dazu kommt, hängt von einer Behebung der Mängel ab.

Die Bundeswehr verfügt derzeit über 109 «Eurofighter». 140 sollen es einmal werden. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass derzeit nur 42 der modernen Kampfjets einsatzbereit sind. Der knapp 16 Meter lange Flieger kann zweifache Schallgeschwindigkeit erreichen.

Das Problem an den Bohrungen sind laut Bundeswehr «unzureichende Entgratungen» durch den Hersteller BAE Systems. Beim Entgraten werden scharfe Kanten entfernt, etwa durch Schleifen. Die Mängel haben laut Hersteller aber keine Auswirkungen auf die Flugsicherheit und die Einsatzfähigkeit, wie die Bundeswehr betonte. «Der Ausbildungs- und Einsatzflugbetrieb ist sichergestellt», hieß es.

Vergangene Woche war bekanntgeworden, dass ein erheblicher Teil der Bundeswehr-Systeme momentan nicht einsatzfähig ist, darunter Dutzende Hubschrauber und Transportfahrzeuge. Die Materialprobleme sind so groß, dass Deutschland zurzeit seine Bündniszusagen an die Nato nicht einhalten kann. In einem Krisenfall wäre die Bundeswehr nicht in der Lage, die zugesagten Flugzeuge und Hubschrauber bereitzustellen. Das hatte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Wochenende eingestanden.

Die Linke forderte von der Leyen auf, härter gegen die Rüstungsindustrie vorzugehen. Verteidigungsexperte Alexander Neu sprach von «unhaltbaren Zuständen», denen die Ministerin sich nun widmen müsse.