BVB-Coach Klopp fühlt mit Schlusslicht VfB: «Brutal»

Jürgen Klopp konnte sich in die fatale Situation seines Kollegen Huub Stevens und dessen VfB Stuttgart bestens hineinversetzen. «Die Liga ist brutal», sagte der Trainer von Borussia Dortmund nach dem hoch verdienten 3:2 (2:1) beim Tabellenletzen der Bundesliga und zeigte Mitgefühl.

BVB-Coach Klopp fühlt mit Schlusslicht VfB: «Brutal»
Ronald Wittek BVB-Coach Klopp fühlt mit Schlusslicht VfB: «Brutal»

«Wir standen vor drei Wochen auf dem Platz, auf dem Stuttgart jetzt steht. Das kann schnell gehen», sagte Klopp. VfB-Coach Stevens konstatierte nüchtern: «Unsere Situation ist nicht einfach, aber das wissen wir.»

Der BVB ist nach Werder Bremen das beste Beispiel, wie schnell sich ein ins Bodenlose abgestürzter Club wieder aus der Krise befreien kann. Dank ihres dritten Sieges in Serie - einer Premiere in dieser Saison - schafften die Dortmunder erst mal etwas Distanz auf die direkten Abstiegsplätze. In Sicherheit wiegen können sie sich deshalb noch lange nicht, aber das ist auch allen Borussen voll bewusst.

Klopp strich die absoluten Prioritäten des Dauergastes der Königsklasse wenige Tage vor dem Achtelfinal-Hinspiel bei Juventus Turin klar heraus: «Die Bundesliga steht über allem, das müssen wir regeln. Die Champions League dürfen wir regeln.» Es werde noch lange dauern, bis «wir eine andere Situation haben», analysierte der Trainer und rechnet weiterhin mit Druck im Kampf um den Klassenerhalt. 

Seine Spieler schätzen das genauso ein. «Trotz des Sieges sind wir in der Bundesliga noch nicht aus dem Gröbsten raus», betonte Nationaltorhüter Roman Weidenfeller. Neven Subotic, in Vertretung des geschonten Mats Hummels Abwehrchef, urteilte: «Es war heute kein Befreiungsschlag, aber ein wichtiger Schritt.» Und Torschütze Marco Reus resümierte: «Der Sieg war brutal wichtig, egal wie er zustande kam. Wir haben gegen die direkte Konkurrenz drei Punkte geholt, das war wichtig.»

Pierre-Emerick Aubameyang (25. Minute), Ilkay Gündogan (39.) und Reus (89.) trafen für die klar überlegenen Dortmunder, die bei besserer Chancenverwertung locker das halbe Dutzend hätten vollmachen können. Florian Klein beendete beim VfB die Heimtorflaute nach 586 quälend langen Minuten per Elfmeter (32.) zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Georg Niedermeier milderte die Pleite in der Nachspielzeit noch etwas ab (90.+1).   

Dabei hätten die immer tiefer in die Krise stürzenden Schwaben wenigstens einen Teilerfolg dringend benötigt. Nach der zwölften Saisonschlappe, der achten zu Hause, steigt der Druck im Abstiegskampf immer stärker. Aber außer Einsatzwille und Kampfbereitschaft hatte das verunsicherte Team kaum etwas zu bieten. Spielerische Ansätze oder Torgefährlichkeit fehlten gegen den BVB komplett.

«Wir haben nicht das Selbstvertrauen einer Mannschaft, die oben steht», räumte Stevens ein. Trotz des nächsten Rückschlags rechnet der Routinier fest mit dem Klassenerhalt. «Wie viele Punkte sind noch zu vergeben?», wies er auf die noch ausstehenden zwölf Spiele und die damit verbleibenden Chancen und Hoffnungen auf eine Trendwende hin. Er habe schon bei seinem Amtsantritt betont, dass es dieses Mal schwieriger als bei seiner erfolgreichen Rettungsmission im Vorjahr werde. «Dieser Weg ist nicht einfach. Aber man muss auch ganz schwierige Wege gehen.»

Derzeit gleicht der Weg des VfB aber eher einer absturzbedrohlichen Talfahrt. Noch vor drei Wochen stand Stuttgart nach dem bislang einzigen Punktgewinn in der Rückrunde (0:0 in Köln) wenigstens noch auf dem Relegationsplatz und vor den nun schon sieben Zähler davon gezogenen Dortmundern. Aber der BVB oder Bremen mit ihren positiven Serien zeigen den dauerkriselnden Schwaben, dass eine Wende machbar ist. 

«Unsere Situation ist natürlich angespannt, aber jetzt kommen die Spiele, in denen wir unbedingt punkten müssen», sagte Niedermeier. Und der gebürtige Stuttgarter Klopp drückte seine Verbundenheit mit seinem Heimatverein aus: «Ich wünsche dem VfB alles Gute und freue mich auf ein Wiedersehen.»