BVB für Gipfel gerüstet - Watzke: «Es ist unfassbar»

Marco Reus ließ sich nicht locken. Trotz der vielen Fragen zum «deutschen Clásico» am Samstag gegen den FC Bayern verzichtete der Offensivspieler von Borussia Dortmund wohlweislich auf eine Kampfansage.

«Wir haben jetzt erst einmal Darmstadt vor der Brust. Und wenn wir dort nicht gewinnen, brauchen wir gar nicht über die Bayern zu reden», sagte der Nationalspieler nach dem 3:1 gegen 1899 Hoffenheim. Wirkliche Vorfreude auf diese Partie am Mittwoch auf dem holprigen Rasen des berüchtigten Böllenfalltor-Stadions war dabei nicht zu erkennen. «Das wird ein schwieriges Spiel - auf einem super Platz», kommentierte Reus mit ironischem Unterton.

Bestehen die Borussen auch den kniffligen Charaktertest beim Aufsteiger, könnte das Duell der Branchenführer in der Fußball-Bundesliga drei Tage später zu einem der seltenen Höhepunkte im bisher eher langweiligen Titelkampf werden. Immerhin würde der BVB bei einem Sieg über die Bayern den Abstand zum Dauerrivalen der vergangenen Jahre auf fünf Punkte verkürzen.

Der Glaube an diese Chance ist in den vergangenen Wochen gewachsen. Schließlich gelangen dem BVB in bisher neun Pflichtspielen der Rückrunde acht Siege und ein Remis. «Es ist unfassbar. Wir haben 54 Punkte nach 23 Partien - Wahnsinn, außergewöhnlich», kommentierte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die für einen Bundesliga-Tabellenzweiten ungewöhnlich üppige Ausbeute. Selbst im zweiten Meisterjahr der Klopp-Ära 2012, als der BVB am Saisonende mit der damaligen Rekordpunktzahl von 81 Zählern dominierte, standen zum vergleichbaren Zeitpunkt zwei Zähler weniger zu Buche.

Es passt in das Bild einer stabilen Borussia, dass sie sich neuerdings auch bei weniger guten Auftritten schadlos hält. Der zwischenzeitliche 0:1-Rückstand gegen den Tabellenvorletzten Hoffenheim durch den Treffer von Sebastian Rudy (25. Minute) brachte die Dortmunder zwar ins Wanken, aber nicht zu Fall. «Ich bin fix und fertig und habe echt gelitten», gestand Watzke, «normalerweise war das heute ein Spiel, das man nicht gewinnt.»

Nach dem Platzverweis von Geburtstagskind Rudy (58.) drehte der BVB auf und feierte dank der Treffer von Henrich Mchitarjan (80.), Adrian Ramos (85.) und Pierre-Emerick Aubameyang (90.+2) noch einen Sieg. Drei Tore nach der 80. Minute waren zuletzt beim 11:1-Kantersieg über Arminia Bielefeld im November 1982 gelungen. «Zwar fällt es uns schwerer als in der Hinrunde, die Spiele zu gewinnen, aber wir gewinnen sie. Bei uns läuft es momentan», sagte Reus.

Zur Freude von Thomas Tuchel treffen selbst die Ersatzspieler. «Es war ein tolles Gefühl, Adrian und sein tolles Tor zu sehen», sagte der Dortmunder Fußball-Lehrer mit Verweis auf die befreiende Führung durch Ramos. Der Kolumbianer, der in dieser Saison durchschnittlich nicht einmal 15 Minuten auf dem Platz verbringt, genoss das Erfolgserlebnis mit der für ihn gewohnten Zurückhaltung - und schwieg. Dafür ergriffen seine Mitspieler die Chance, auf seine Qualitäten hinzuweisen: «Der Junge hatte es verdient, mal wieder zu treffen. Er war einfach mal dran. Wir können auch von der Bank noch mal richtig Qualität reinbringen», befand Ilkay Gündogan.