BVB will Alltagsgrau gegen Juve vertreiben

Tristesse in der Bundesliga, Glamour in der Champions League - nach zwei faden Nullnummern auf heimischer Bühne hofft Borussia Dortmund auf eine internationale Sternstunde. Ein Erfolg im Achtelfinal-Rückspiel gegen Juventus Turin soll helfen, das Alltagsgrau zu vertreiben.

BVB will Alltagsgrau gegen Juve vertreiben
Marius Becker BVB will Alltagsgrau gegen Juve vertreiben

«Wenn wir 90 sehr gute Minuten haben, können wir etwas Großes schaffen», sagte Neuzugang Kevin Kampl. Nach Einschätzung von Trainer Jürgen Klopp macht das 1:2 vor drei Wochen in Turin Mut für die knifflige Aufgabe am Mittwoch : «Wir haben im Hinspiel schon gezeigt, dass wir denen wehtun können.»

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Borussia in der Königsklasse ihr zweites, ansehnlicheres Gesicht zeigt. Vor allem die beachtliche Heimbilanz macht Mut. Immerhin zehn der vergangenen 13 Champions-League-Partien vor eigener Kulisse endeten mit einem Sieg des Revierclubs. Um diese Erfolgsserie auszubauen, ist im Duell mit dem souveränen Tabellenführer der Serie A allerdings mehr Durchschlagskraft nötig als in den enttäuschenden Partien in Hamburg (0:0) und gegen Köln (0:0). Sportdirektor Michael Zorc machte aus seiner Erwartungshaltung keinen Hehl: «Wir brauchen eine deutliche Leistungssteigerung und müssen als Mannschaft viel präsenter sein.»

Zumindest die noch in der Hinrunde löchrige Defensive genügte zuletzt wieder höheren Ansprüchen. Nur Mönchengladbach (4) kassierte in der Bundesliga-Rückrunde weniger Gegentreffer als Dortmund (5). «Dass wir hinten solide stehen und wieder zu Null spielen, ist wichtig», sagte Torhüter Roman Weidenfeller voller Hoffnung auf eine ähnliche Stabilität gegen Juve. Schließlich würde seinem Team dank des Auswärtstreffers in Turin von Marco Reus schon ein 1:0 reichen, um zum dritten Mal in Serie in das Viertelfinale des Wettbewerbs einzuziehen.

Mehr Sorge als die Abwehr bereitete zuletzt die Offensivabteilung. Seit dem Feuerwerk beim 3:0 im Revierderby gegen Schalke Ende Februar mangelt es an Ideen und Tempo - vor allem in Duellen mit defensiven Mannschaften. Deshalb ist das Klopp-Team gegen die für ihre Abwehrkünste bekannten Italiener besonders gefordert. «Wir müssen gegen tief stehende Gegner die Lücke finden und einen besseren Plan haben», kommentierte Kampl.

Einige Beobachter führten die schwindende Kreativität auf das Fehlen von Nuri Sahin zurück. Die öffnenden Pässe des spielstarken defensiven Mittelfeldspielers wurden in den Partien gegen Hamburg und Köln schmerzlich vermisst. Zum Leidwesen von Klopp wird der Taktgeber auch gegen den Endspiel-Gegner von 1997 wegen einer hartnäckigen Muskelverletzung im Adduktorenbereich fehlen. Dessen ungeachtet demonstrierte der Dortmunder Fußball-Lehrer Zuversicht: «Wir können es besser als im Spiel gegen Köln. Gerade im Umschaltspiel haben wir eine mörderische Qualität.»

Wie Klopp kann auch sein Gegenüber Massimiliano Allegri nicht auf seine Wunschelf zurückgreifen. So wird Superstar Andrea Pirlo wegen einer Wadenverletzung fehlen, die er sich im Hinspiel zugezogen hatte. Darüber hinaus fallen Mittelfeldspieler Stefano Sturaro und Verteidiger Paolo De Ceglie aus. Dennoch glaubt Allegri an den erst zweiten Viertelfinal-Einzug der «Bianconeri» seit 2006: «Ich will mindestens ein Tor.» Die Zeitung «Gazzetta dello Sport» warnte mit Blick auf die gegnerischen Fans: «Nicht nur Klopp oder Reus. In Dortmund spielt man auch gegen eine gelbe Wand.»

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Kirch, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Gündogan - Blaszczykowski, Kampl, Reus - Aubameyang

Juventus Turin: Buffon - Lichtsteiner, Barzagli, Bonucci, Chiellini - Vidal, Marchisio, Pogba - Pereyra - Tevez, Morata

Schiedsrichter: Mažic (Serbien)