BVB will Alltagsgrau vertreiben: «Großes schaffen»

Tristesse in der Bundesliga, Spektakel in der Champions League - nach zwei faden Nullnummern auf heimischer Bühne hofft Borussia Dortmund auf eine internationale Fußball-Sternstunde.

BVB will Alltagsgrau vertreiben: «Großes schaffen»
Bernd Thissen BVB will Alltagsgrau vertreiben: «Großes schaffen»

Ein Erfolg im Achtelfinal-Rückspiel gegen Juventus Turin soll helfen, das Alltagsgrau zu vertreiben. «Wenn wir 90 sehr gute Minuten haben, können wir etwas Großes schaffen», sagte Neuzugang Kevin Kampl.

Nach Einschätzung von Trainer Jürgen Klopp macht das 1:2 vor drei Wochen in Turin Mut für die knifflige Aufgabe am Mittwoch : «Wir haben schon im Hinspiel gezeigt, dass wir denen wehtun können. Außerdem können wir mit einem einfachen Sieg in die nächste Runde einziehen. Diese Ausgangslage ist perfekt.»

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Borussia in der Königsklasse ihr zweites, ansehnlicheres Gesicht zeigt. Vor allem die beachtliche Heimbilanz macht Mut. Immerhin zehn der vergangenen 13 Champions-League-Partien vor eigener Kulisse endeten mit einem Sieg. Nicht zuletzt deshalb setzt Kapitän Mats Hummels auf die Zuschauer: «Wir wollen von Anfang an dafür Sorgen, dass die Fans aus dem Häuschen sind und ein Spiel mit viel Leidenschaft und Tempo aufziehen.»

Um diese Heim-Erfolgsserie auszubauen, ist im Duell mit dem Tabellenführer der Serie A allerdings mehr Durchschlagskraft nötig als in den enttäuschenden Partien in Hamburg (0:0) und gegen Köln (0:0). Laut Klopp wird das jedoch gerade im Duell mit der «Ergebnismaschine» Juve schwer: «Wir stehen vor einer der größten Aufgaben, die es im Fußball überhaupt gibt. Gegen eine italienische Mannschaft zu spielen, der ein Unentschieden zum Weiterkommen reicht.»

Zumindest die noch in der Hinrunde löchrige Defensive genügte zuletzt wieder höheren Ansprüchen. Nur Mönchengladbach (4) kassierte in der Bundesliga-Rückrunde weniger Gegentreffer als Dortmund (5). «Dass wir hinten solide stehen und wieder zu Null spielen, ist wichtig», sagte Torhüter Roman Weidenfeller voller Hoffnung auf eine ähnliche Stabilität gegen Juve. Schließlich würde seinem Team dank des Auswärtstreffers in Turin schon ein 1:0 reichen, um zum dritten Mal in Serie in das Viertelfinale einzuziehen.

Mehr Sorge als die Abwehr bereitete zuletzt die Offensive. Seit dem Feuerwerk beim 3:0 im Revierderby gegen Schalke Ende Februar mangelt es an Ideen und Tempo. Einige Beobachter führten die schwindende Kreativität auf das Fehlen von Nuri Sahin zurück. Die öffnenden Pässe des Mittelfeldspielers wurden in den Partien gegen Hamburg und Köln schmerzlich vermisst. Zum Leidwesen von Klopp wird der Taktgeber auch gegen den Endspiel-Gegner von 1997 fehlen.

Vielleicht ist es der Spielfreude zuträglich, dass es in der Vorbereitung auf die Partie betont locker zuging. So gab es beim Abschlusstraining am Dienstag ein Ständchen für Geburtstagskind Shinji Kagawa.

Wie Klopp kann auch sein Gegenüber Massimiliano Allegri nicht auf seine Wunschelf zurückgreifen. So muss Superstar Andrea Pirlo wegen einer Wadenverletzung passen. Darüber hinaus fallen Mittelfeldspieler Stefano Sturaro und Verteidiger Paolo De Ceglie aus.

Dennoch glaubt Allegri an den erst zweiten Viertelfinal-Einzug der «Bianconeri» seit 2006 und will nicht nur auf Defensive setzen: «Ich gehe nicht von einem 0:0 aus. Es wird für uns darum gehen, Tore zu schießen und dort zuzuschlagen, wo der BVB Schwächen zeigt.» Bei allem Respekt vor der Atmosphäre im Signal Iduna Park überwiegt bei Torwart-Routinier Gianluigi Buffon die Vorfreude: «Spiele in Dortmund fallen nie in die Rubrik banal.»