Cameron will Luftangriffe auf IS in Syrien  

Die britische Regierung hat eine rasche Beteiligung der Royal Air Force an Luftangriffen auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien gefordert.

«Ich bin der Meinung, wir können einfach nicht länger warten. Wir müssen jetzt handeln», sagte Premierminister David Cameron im britischen Unterhaus. Der IS sei ein «böser Todeskult», der eine Gefahr für Großbritannien darstelle. London dürfe «seine nationale Sicherheit nicht in die Hände anderer legen», sagte er mit Blick auf die USA und Frankreich, die bereits Angriffe in Syrien fliegen. Von der IS-Hochburg Al-Rakka würden Angriffe auf Briten geplant.

Bereits zu Beginn der zehnstündigen Parlamentsdebatte stand fest, dass es bei der Abstimmung am Abend eine solide Mehrheit für die Regierung geben würde. Zwar gebe es etwa ein Dutzend Abweichler im Regierungslager, aber vermutlich über 50 Abgeordnete der Opposition wollten Cameron unterstützen, berichteten britische Medien. Bisher fliegt die Royal Air Force ausschließlich Angriffe auf IS-Stellungen im Irak.

Labour-Chef Jeremy Corbyn meinte, Luftangriffe würden «beinahe unausweichlich zum Tod von Unschuldigen führen». Zudem bestehe die Gefahr, dass Großbritannien in den Sumpf den Krieges abgleite («mission creep») und letztlich doch auch mit Bodentruppen eingreifen müsse - auch wenn dies Cameron derzeit energisch verneint. Eine Verschärfung des Kriegs mache auch Terrorattacken in Großbritannien wahrscheinlicher, erschwere dagegen eine politische Lösung für das Bürgerkriegsland Syrien.

Der Sender BBC berichtete, britische Piloten könnten bereits wenige Tage oder nur Stunden nach dem Parlamentsvotum erste Angriffe auf Ziele in Syrien starten. Derzeit seien acht Tornados in Zypern stationiert, weitere acht Jets sollten folgen.

Cameron sagte, die britischen Jets könnten in Syrien besondere Präzisionswaffen einsetzen. Dadurch würden «zivile Opfer weniger wahrscheinlich». Die Erfahrung im Irak zeige, «dass Luftangriffe Folgen haben». Bereits jetzt befinde sich Großbritannien im Visier des Terrors.

Auch Cameron räumte ein, dass die IS-Banden mit Luftschlägen nicht besiegt werden könnten. Die Luftangriffe könnten aber den Weg für «moderate» syrische Kämpfer ebnen, deren Zahl er auf 70 000 schätzte. Letztlich brauche es eine politische Lösung für Syrien. Ihm sei klar, «dass das eine lange Zeit dauern wird», doch Luftschläge seien ein erster wichtiger Schritt.