Campino und Co. erinnern sich an den Mauerfall

«Träume können wahr werden. Nichts muss so bleiben wie es ist», sagte Kanzlerin Angela Merkel am Sonntag in ihrer Rede bei der zentralen Gedenkveranstaltung zum 25. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin.

Campino und Co. erinnern sich an den Mauerfall
Caroline Seidel Campino und Co. erinnern sich an den Mauerfall

Campino, Smudo, Chris de Burgh, Anastacia und Udo Lindenberg erinnern sich an den 9. November.

Die Toten Hosen und ihr Frontmann CAMPINO haben vom Fall der Mauer erst am Tag danach erfahren. «Wir haben am Abend des Mauerfalls in Paris gespielt, im Olympia, ein legendärer Laden, und haben in den Stunden nichts mitgekriegt», erinnert sich Campino.

Erst morgens beim Frühstück habe die Band die Bilder im Fernsehen flimmern sehen. «Da sahen wir die Trabanten und Leute, die ungläubig guckten. In diesem Moment haben wir sofort gesagt: Wir müssen da jetzt hin. Und so war es.»

Schon zwei Tage nach dem Mauerfall spielten Die Toten Hosen bei einem Riesenkonzert in der Deutschlandhalle in Berlin mit. «Spannend war der Vibe in der Stadt, diese Begeisterung, diese gegenseitige Umarmung, das war das Allerallerbeste», sagt Campino. Aber schon nach ein oder zwei Wochen sei das «Genöle» der Wessis über Schlangen in Supermärkten losgegangen. «Wir haben drei, vier Tage total Euphorie gehabt, und dann fing das an, seltsam zu werden», sagte Campino. «Aber diese drei, vier Tage, das war das schönste geschichtliche Erlebnis, an dem wir dran waren.»

Rapper SMUDO (46) hat der Mauerfall vor 25 Jahren tief bewegt. «Ich hab zum ersten Mal in meinem Leben vor dem Fernseher geheult», sagte das Bandmitglied der Fantastischen Vier im Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Verwandte von ihm seien aus Polen gekommen und im Krieg entzweit worden. «Ein Teil ist in Westdeutschland gelandet, ein Teil ist in Polen geblieben.» Er habe Polen besucht und Studienreisen durch die DDR gemacht. Dann habe er im Fernsehen gesehen, wie die Menschen mit ihrem Trabi über die Grenze gefahren seien und mit dem Hammer auf die Mauer eingehauen hätten. «Das hat mich sehr ergriffen.»

Es sei «irre», dass seine Hip-Hop-Band in diesem Jahr ebenfalls 25-jähriges Jubiläum feiert. «Schöner kann eine deutsche Popstarkarriere nicht sein, finde ich.»

Der irische Schmusesänger und Deutschlandfan CHRIS DE BURGH kann sich an den Mauerfall nicht genau erinnern - wohl aber daran, wie verändert die Menschen nach der Wende auf ihn wirkten.

«Ich glaube, ich war (am 9. November) zu Hause in Irland, aber ich war kurz zuvor in der DDR gewesen. Ich bin da oft aufgetreten. Ich erinnere mich an den Geruch der Trabis.» Und er erinnere sich sehr genau daran, «dass ich empört war, was dort geschah», berichtet er.

Kurz nach dem Mauerfall sei er nach Berlin gefahren. «Und die Körpersprache der Menschen aus dem Osten war so anders. Es war wie im Film "Das Leben der Anderen"», sagt de Burgh. Vor den Wende hätten die Menschen in der DDR nervös gewirkt. «Und dann, ein Jahr später, wirkten sie viel selbstbewusster. Aber sich sein Leben lang umgesehen zu haben, wer zusah, wer mithörte, wer etwas aufschreibt - was für ein Leben. Es war der Beweis dafür, dass das DDR-Regime völlig korrupt und komplett falsch war.»

ANASTACIA war am Tag des Mauerfalls 21 Jahre alt, lebte in den USA, tanzte leidenschaftlich gern und war noch völlig unbekannt. Von den historischen Ereignissen im fernen Europa bekam sie überhaupt nichts mit. «Nein», sagt die US-amerikanische Soulsängerin, glücklicherweise habe sie nie erlebt, was die Menschen in Deutschland hätten erleben müssen.

«Aber die Generation meiner Mutter, die spricht darüber und erinnert sich häufig, was los war und passiert ist. Ich bin so stolz, heute in einer Welt in Frieden und Freiheit zu leben, und wieviel ihr alle überwunden habt - es ist wirklich schön.»

Im Jahr 2000 gelang der «kleinen Lady mit der großen Stimme» der Durchbruch, seither ist Anastacia weltweit unterwegs. Wenn sie in Berlin ist, steigt sie gern in einem Hotel am Potsdamer Platz ab. Dort, wo am 9. November 1989 die Mauer fiel.

UDO LINDENBERG war im Hotel, als die Mauer fiel. Die deutsch-deutsche Grenze, gegen die der Rockstar so oft in Panik-Manier seine Stimme erhoben hatte, öffnet sich in Berlin - und er selbst sitzt am 9. November 1989 in München. «Ein Kumpel rief mich an und meinte: Alter, endlich ist das wahr geworden, was du dir immer erträumt hast!», erzählt der Musiker.

«Glotze an, Flug gebucht und am nächsten Tag getarnt mit Kapuze auf'm Kopp und Hoch-die-Tassen im Freudentaumel durch Berlin geschleudert» - der 68-Jährige hat es noch genau vor Augen. «Es war die schönste Party meines Lebens», sagt er