Causa «Blattini»: FIFA-Richter Eckert muss entscheiden

Ein letztes Verhör vor den FIFA-Ethikhütern bleibt den einstmals mächtigsten Männern des Weltfußballs zur Rettung ihres Karriereplans.

Causa «Blattini»: FIFA-Richter Eckert muss entscheiden
Laurent Gillieron Causa «Blattini»: FIFA-Richter Eckert muss entscheiden

Eigentlich aber haben der suspendierte FIFA-Boss Joseph Blatter und der ebenfalls gesperrte UEFA-Präsident Michel Platini schon vor ihrem Auftritt vor der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission in Zürich umfangreich und vor allem wortgewaltig in der Öffentlichkeit ausgesagt. «Inquisition», «Verstoß gegen die Menschenrechte» oder «öffentliche Hinrichtung» - Blatter und Platini wähnten sich mit ihrer Suspendierung für 90 Tage offenbar schlimmer gestraft als manch ein Schwerverbrecher.

Die früher eng verbündeten und inzwischen zerstrittenen Spitzenfunktionäre fuhren schwere Geschütze gegen die Ethikhüter des Weltverbands auf. Nur so recht entkräften konnten beide den Vorwurf der Korruption nicht. So dürfte es interessant werden, ob Blatter und Platini in ihren Anhörungen vor dem deutschen Richter Hans-Joachim Eckert eine Sperre - womöglich sogar lebenslänglich - noch abwenden können. Am 21. Dezember will Eckert sein Strafmaß verkünden.

Als Erster darf Blatter am Donnerstag vortreten, einen Tag später ist Platini an der Reihe. «Ich werde für mein Recht weiterkämpfen», sagt Blatter, der sich gar zu einem Brief an die 209 Mitgliedsverbände der FIFA genötigt sah: «Die Art und Weise wie die Untersuchungskammer der Ethikkommission über das laufende Verfahren kommuniziert, die Höchststrafe gefordert und die öffentliche Vorverurteilung verstärkt hat, weisen eine tendenziöse und gefährliche Dimension auf.»

Blatter sieht in der dubiosen Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken an Platini aus dem Jahre 2011 für Beratertätigkeiten zwischen 1998 und 2002 nichts Anrüchiges. Die Vereinbarung sei rechtens, weil sie auf einem mündlichen Vertrag basiere. So sieht es auch Platini, der darauf beharrt, dass mündliche Verträge genauso wie schriftliche ihre Berechtigung haben.

Die Untersuchungskammer hat dazu eine andere Meinung. Auch die Schweizer Bundesanwaltschaft ist misstrauisch und hat bereits ein Strafverfahren gegen Blatter unter anderem wegen des Verdachts der «ungetreuen Geschäftsbesorgung» eingeleitet. Platini wurde dabei als Auskunftsperson geführt. So gibt es auch eine andere Version, in welchem Zusammenhang die Zwei-Millionen-Zahlung stehen könnte: 2011 unterstützten die UEFA-Verbände unter der Führung von Platini den Amtsinhaber Blatter im Wahlkampf gegen den Katarer Mohamed bin Hammam.

Platini will womöglich gar nicht erscheinen, seiner Ansicht nach gibt es kein gerechtes Verfahren. Der frühere französische Ausnahmefußballer hofft auf Entlastung durch ein internes UEFA-Dokument vom 12. November 1998, in dem über Tätigkeiten Platinis bei der FIFA berichtet wird. Darin soll von einem Jahresgehalt von einer Million Schweizer Franken die Rede sein. Auch von einem möglichen Posten als Sportdirektor bei der FIFA ist die Rede.

Sollte sich Eckert dennoch für eine Sperre entscheiden, dürfte die Causa «Blattini» vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS landen. Sowohl Blatter als auch Platini hatten diesen Schritt im Falle eines Negativentscheids angekündigt.

Und die Zeit eilt: Am 26. Februar findet der außerordentliche FIFA-Kongress in Zürich statt. Den will Blatter als rehabilitierter Chef noch einmal als großer Zeremonienmeister leiten, bevor sein Nachfolger gewählt wird. Diesen Posten strebt Platini an, der im Falle einer Sperre den noch offenen Integritätscheck nicht bestehen würde.