Cavendish siegt und widmet Martin den Sieg

Kaum hatte sich Mark Cavendish mit einem Sieg über André Greipel nach zweijähriger Durststrecke zurückgemeldet, ging sein erster Gedanke an Teamkollege Tony Martin.

«Ich möchte ihm den Sieg widmen. Ich musste an Tony denken, mit dem ich in den ersten Tagen zusammengekämpft habe», sagte der Ex-Weltmeister von der Isle of Man, der seine ersten Siegerküsschen von seiner schwangeren Frau und seiner kleinen Tochter erhielt. Martin war von seinem Krankenlager in Hamburg blitzschnell und twitterte am Freitag zurück: «Bin stolz auf mein Team. Mark Cavendish lässt mich im Krankenbett jubeln».

Greipel war dagegen knapp am Tour-Triple vorbeigefahren, erst auf den letzten Metern wurde er noch von Cavendish überholt. «André hätte die Tür zumachen können, aber er hat mir eine Lücke gelassen», sagte Cavendish, bei dem endlich der Knoten platzte. Er holte den 26. Tour-Etappensieg seiner Karriere und setzte die Siegesserie des Etixx-Quick-Step-Teams fort: Am Vortag hatte der Tscheche Zdenek Stybar in Le Havre gewonnen, was bei der Martin-Tragödie aber fast untergegangen war.

Für Greipel blieb in Fougères im Ziel der siebten Etappe nach 190,5 Kilometer nur Rang zwei vor Peter Sagan, mit dem er verbissen um das Grüne Trikot kämpft. Das Kraftpaket aus Rostock verteidigte seine Führung in der Punktwertung zum fünften Mal.

Christopher Froome ließ sich nach der Etappe das Gelbe Trikot überstreifen, auf das er auf der 7. Etappe aus Respekt vor Martin verzichtet hatte. Damit war er der Entscheidung der Jury, das Maillot Jaune nicht zu vergeben, zuvorgekommen.

«Ich will das Gelbe Trikot nicht übernehmen, indem ich vom Unglück eines anderen Fahrers profitiere. Tony ist gestern noch ins Ziel gefahren. Ich war Zweiter im Gesamtklassement, daher konnte ich es ohnehin nicht tragen», hatte der Toursieger von 2013 und diesjährige Topfavorit beim Start in Livarot erklärt. Froome führt das Gesamtklassement mit nur noch fünf Sekunden Vorsprung vor dem Slowaken Sagan an, der Zeitgutschriften sammelte.

Der in Hürth lebende Greipel war zwar vorbildlich von seinem Lotto-Soudal-Team in die beste Sprintposition gelotst worden. Aber im Finish lief diesmal nicht alles nach Wunsch, Greipel war etwas zu früh im Wind und konnte von Cavendish zu dessen Überraschung noch übersprintet werden.

«Nach dem Ausfall von Martin wird Cavendish sicher etwas gehandicapt sein», hatte der zweifache Etappensieger am Start in Livarot angemerkt. Er sollte sich irren. Der Brite musste zwar auf den gewohnten «Lead-out» mit dem Antriebsmotor Martin verzichten, trotzdem war er der Schnellste.

Martin war am Morgen um 6.00 Uhr erfolgreich operiert worden. An sein gebrochenes linkes Schlüsselbein wurde eine Titanplatte als Fixierung gesetzt. Das teilte Helge Riepenhof, der Arzt des Etixx-Quick-Step-Teams, am Freitag.

«Die etwa zweistündige OP ist gut verlaufen», sagte Riepenhof. «Wenn sich keine Infektion bildet, kann er nach einer gewissen Beobachtungszeit im Krankenhaus in einer Woche schon wieder auf der Rolle trainieren und in etwa sechs Wochen wieder Rennen fahren». Martin twitterte am Nachmittag ein Bild aus dem Krankenbett - er verfolgte die Tour-Übertragung im Fernsehen.

Daniel Teklehaimanot konnte sein Bergtrikot verteidigen. Er hatte es am Vortag als erster Radprofi aus Eritrea erobert. «Ich wurde toll von den Franzosen unterstützt, das sind sehr spezielle Momente für mich», sagte der MTN-Profi.