CeBIT: Digitaler Wandel erfasst deutsche Wirtschaft

Die Digitalisierung löst erste Umwälzungen in der deutschen Wirtschaft aus.

CeBIT: Digitaler Wandel erfasst deutsche Wirtschaft
Ole Spata CeBIT: Digitaler Wandel erfasst deutsche Wirtschaft

Vier von zehn Unternehmen brachten im Zuge des Wandels neue Produkte oder Dienste auf den Markt und 57 Prozent passten bestehende Angebote an, erklärte der Branchenverband Bitkom auf der IT-Messe CeBIT. Zugleich musste jede achte Firma deswegen Angebote vom Markt nehmen. Als Treiber für den Standort Deutschland werden die Datensicherheit bei Cloud-Diensten und der schnelle 5G-Datenfunk gesehen. Wegen des Fachkräfte-Mangels lagern zugleich immer mehr Unternehmen IT-Projekte aus.

«Die Digitalisierung der Wirtschaft nimmt Fahrt auf», sagte Bitkom-Präsident Thorsten Dirks in Hannover. Fast zwei Drittel der gut 500 befragten Unternehmen aller Branchen gaben an, dass sich als Folge der Digitalisierung ihr Geschäftsmodell verändert. «79 Prozent aller deutschen Unternehmen wollen noch in diesem Jahr einen hohen Digitalisierungsgrad erreichen», sagte Deutsche-Telekom-Chef Timotheus Höttges. Zur Digitalisierung gehören unter anderem die Vernetzung von Maschinen und Alltagsgegenständen, die Auswertung ihrer Daten und daraus entstehende neue Geschäftsmodelle.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) forderte auf der CeBIT von Bundesregierung deutlichere Impulse für den Ausbau leistungsfähiger digitaler Netze. Es sei «Gefahr im Verzug», sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo. «Unser Land ist von einer hochleistungsfähigen digitalen Infrastruktur weit entfernt.» Der Standort Deutschland liege derzeit «abgeschlagen hinter führenden Industriestaaten lediglich im Mittelfeld».

Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 11 Megabit pro Sekunde surfe man in Deutschland gerade halb so schnell wie in Südkorea, betonte Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter. «Deutschlands digitale Zukunft wird nicht auf dem Kupferdraht entschieden, sondern mit der gigabitschnellen Glasfaser.»

Deutlich mehr Unternehmen in Deutschland lagern IT-Projekte aus, weil sie keine passenden Fachleute dafür finden. In einer Umfrage des Branchenverbandes VDI gaben in diesem Jahr gut 52 Prozent das Outsourcing als Lösung für das Problem an. In der Vorjahresumfrage lag der Anteil noch knapp unter 40 Prozent.

«Das muss uns zu denken geben», warnte der VDI-Bereichsleiter Technik und Wissenschaft, Dieter Westerkamp. Denn so werde gerade das Know-how «über die Dinge, die die digitale Transformation ausmachen», ausgelagert. Der VDI (Verein Deutscher Ingenieure) befragte für die Untersuchung über 1000 Fachleute. Dabei kam auch heraus, dass sich die Einschätzung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland deutlich verschlechterte. So schätzten sie zuletzt noch 39,7 Prozent als «gut» ein - 2012 lag der Anteil bei fast 60 Prozent.

Die nächste schnelle Datenfunk-Generation 5G kann Deutschland aber mehr Gewicht im Tech-Geschäft bringen. «Wir haben als Standort Deutschland in der Informations- und Kommunikations-Technologie weitgehend verloren», sagte Bruno Jacobfeuerborn, VDE-Präsident und zugleich Technik-Chef der Deutschen Telekom. «Jetzt bietet sich die einmalige Chance, das mit 5G zu ändern.»

Der 5G-Datenfunk soll nicht nur drastisch schnellere Datenverbindungen bieten, sondern auch extrem kurze Reaktionszeiten. Dadurch sollen zum Beispiel auch Maschinen per Funk in Echtzeit gesteuert werden können. Derzeit testen Netzwerk-Ausrüster erste Anlagen. Um die Umsetzung des Formats gibt es im Hintergrund Gerangel zwischen Anbietern aus Europa, China und den USA.

Die Deutsche Telekom startete in Hannover ihren neuen Cloud-Service für Unternehmen und setzt dabei auf strikten deutschen Datenschutz als Verkaufsargument. Die «Open Telekom Cloud» kommt aus dem Telekom-Rechenzentrum in Biere in Sachsen-Anhalt. Gerade der Mittelstand brauche Angebote aus deutschen Rechenzentren, sagte Höttges. Bei Cloud-Diensten werden Daten und Software direkt aus dem Netz bereitgestellt. Die Telekom will den Umsatz mit Cloud-Services für Geschäftskunden von derzeit 1,4 Milliarden Euro bis Ende 2018 verdoppeln.