Champions League als erneuter Mutmacher für den BVB

Die tiefen Sorgenfalten auf seiner Stirn waren fast verschwunden - zumindest für diesen Abend. Endlich einmal verspürte Jürgen Klopp wieder Spaß am Fußball.

Champions League als erneuter Mutmacher für den BVB
Roland Weihrauch Champions League als erneuter Mutmacher für den BVB

Beseelt vom 4:1 (1:0) gegen Galatasaray Istanbul nutzte der Dortmunder Coach die Gunst der Stunde und verordnete seinen Profis gute Laune: «Ich habe den Jungs gesagt, dass sie sich freuen sollen. Wir hatten genug Scheißmomente in letzter Zeit.»

Über den tristen Ligaalltag verlor Klopp kaum ein Wort. Wohlweislich ersparte er dem Team in der obligatorischen kurzen Kabinenansprache einen Ausblick auf die Partie gegen Mönchengladbach. «Jeder weiß natürlich, was Sonntag ist. Aber du musst auch genießen, wie sich ein Sieg anfühlt, um ihn vielleicht noch ein bisschen mehr haben zu wollen», kommentierte der Fußball-Lehrer.

Zum wiederholten Mal taugte die Champions League als Mutmacher für den tristen Ligaalltag. Treffer von Marco Reus (39.), Sokratis (56.), Ciro Immobile (74.) und Semih (85./Eigentor) stärkten den Glauben an die eigene Stärke. Schneller denn je zog der Revierclub in das Achtelfinale ein, nie zuvor startete ein Team besser in den Wettbewerb. Mit der fast makellosen Bilanz von zwölf Punkten und 13:1-Toren überbot der BVB den bisherigen Rekord von Juventus Turin. Schon mit einem Remis im nächsten Spiel beim bereits fünf Punkten entfernten FC Arsenal am 26. November wäre der Gruppensieg perfekt.

Der wieder einmal überzeugende Routinier Sebastian Kehl hofft auf ein ähnliches Erfolgserlebnis im kniffligen Duell mit Gladbach: «Jetzt müssen wir den Beweis antreten, dass wir nach einem guten Champions-League-Spiel auch in der Bundesliga Punkte holen können. Es wäre ganz cool, wenn wir an diesem Wochenende damit anfangen.» Doch von solch positiven Effekten konnte bisher nicht die Rede sein. In den Partien nur wenige Tage nach den Siegen auf internationaler Bühne über den FC Arsenal (2:0), beim RSC Anderlecht (3:0) und in Istanbul (4:0) setzte es Niederlagen gegen Mainz (0:2), Hamburg (0:1) und Hannover (0:1).

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, verzichtete Klopp diesmal auf Rotation. Gegen Istanbul startete die selbe Elf, die beim 1:2 beim FC Bayern die Partie beendet hatte. Damit reagierte der Fußball-Lehrer auf die jüngste Kritik, wonach die ständige Umstellung von Personal und Spielsystemen innerhalb des Teams für Verunsicherung gesorgt haben könnte. Kontinuität soll helfen, zur alten Erfolgsformel zurückzufinden. «Es geht um Stabilität. Wir hatten das Gefühl, dass die Mannschaft das jetzt braucht», begründete Klopp die Maßnahme.

Doch so leicht wie mit den harmlosen Türken werden es die Dortmunder am Sonntag im Spiel gegen den in dieser Saison seit 17 Pflichtspielen unbesiegten Bundesliga-Dritten nicht haben. Nicht nur Kehl erwartet deutlich mehr Gegenwehr. «Mit den Gladbachern haben wir einen heißen Gegner vor der Brust. Ich hoffe, dass wir einiges von dem, was wir gegen Bayern und auch gegen Galatasaray umgesetzt haben, mitnehmen können», sagte der Mittelfeldspieler voller Hoffnung auf ein Ende der Bundesliga-Talfahrt mit zuletzt fünf Niederlagen in Serie.

Fortschritte sind unverkennbar. Selbst die massiven Ausschreitungen der Galatasaray-Fans brachten den BVB nicht aus dem Tritt. Nach fortwährenden Pyrotechnik-Attacken wurde die Partie vom tschechischen Schiedsrichter Pavel Kralovec zweimal unterbrochen. Zudem sollen nach Ende des Spiels Sitzschalen auf andere Besucher geworfen worden sein. «Das war unfassbar», klagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei Sky. Sportdirektor Michael Zorc sprach von einer «permanenten Provokation über die gesamte Spielzeit.»

Den Übeltätern droht ein Nachspiel. Wie Staatsanwältin Sandra Mücke bestätigte, geht die Justiz unter anderem dem Vorwurf des versuchten Totschlags nach. Im Anschluss an die Partie wurden die Personalien aller Fans im Gästeblock aufgenommen und erste Tatverdächtige festgenommen. Die Vorfälle minderten die Freude von Trainer Klopp über den Sieg. «Das wirft einen Schatten auf das Spiel.»