Chaos-Etappe: Happy End für Froome - joggend zum Ziel

Eine gute Stunde musste Chris Froome nach einer völlig chaotischen Etappe auf dem Mont Ventoux um sein Gelbes Trikot zittern, dann kam die erlösende Nachricht von der Rennleitung.

Chaos-Etappe: Happy End für Froome - joggend zum Ziel
Jeff Pachoud Chaos-Etappe: Happy End für Froome - joggend zum Ziel

Trotz seines Sturzes und dem fast zweiminütigen Zeitverlust darf der Vorjahressieger die Führung bei der 103. Tour de France in der Gesamtwertung behalten. Die Jury wertete am Donnerstag nachträglich die Abstände zum Zeitpunkt des Zwischenfalls wenige hundert Meter vor dem Ziel der zwölften Etappe auf dem Mont Ventoux, als Vorjahressieger Froome und weitere Fahrer durch ein Begleitmotorrad zu Fall gekommen waren. Damit baute der Brite seinen Vorsprung in der Gesamtwertung sogar noch aus.

Für Froome war es das Happy End nach einer völlig verrückten Etappe, an deren Ende er der Verzweiflung nahe war. Der 31-Jährige war nach dem unverschuldeten Malheur zwischenzeitlich auf seinen Radschuhen dem Ziel entgegen gerannt, ehe er ein Ersatzrad gereicht bekam, das auch noch viel zu klein für ihn war. Ein TV-Motorrad hatte auf dem Weg zum Ziel stoppen müssen, Richie Porte fuhr auf, Froome krachte ebenfalls rein. Dabei wurde sein Rad so beschädigt, dass er nicht mehr weiterfahren konnte.

Die Jury wertete schließlich die Abstände zum Zeitpunkt des Vorfalls. Gemäß den offiziellen Ergebnissen liegt Froome nun in der Gesamtwertung 47 Sekunden vor seinem Landsmann Adam Yates. Weitere elf Sekunden zurück ist der Niederländer Bauke Mollema Dritter. Der Kolumbianer Nairo Quintana folgt 1:01 Minuten zurück auf Platz vier.

Am Tagessieg änderte sich nicht. Am Nationalfeiertag der Franzosen triumphierte auf der verkürzten Etappe von Montpellier zum «kahlen Riesen» der Provence der Belgier Thomas de Gendt vor seinem Landsmann Serge Pauwels und dem Spanier Dani Navarro. Die deutschen Fahrer um Tony Martin, der an diesem Freitag beim Zeitfahren zuschlagen will, hatten bei der Entscheidung auf 1435 Metern Höhe am Chalet Renyard nichts mitzureden.

Auch wenn wie erwartet wieder keiner der deutschen Fahrer auf dem legendären Berg triumphierte, wurde diese Etappe mit dem unglaublichen und denkwürdigen Ausgang von ihnen mitgeprägt. Noch immer ohne Sieg bei der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt, gehörte Greipel zu einer Ausreißergruppe, die sich kurz nach dem Start abgesetzt und phasenweise einen Vorsprung von über 18 Minuten auf das Hauptfeld mit Froome herausgefahren hatte.

Zu Beginn zählte auch Paul Voß zu den Ausreißern in der ersten Reihe, ein Reifenschaden warf ihn nach einigen Kilometern aber zurück. Dahinter versuchte das Team Etixx-Quick Step mit Tony Martin und Marcel Kittel ihren irischen Kollegen Daniel Martin nach vorn zu bringen.

Voß wurde rund 37 Kilometer vor dem Ziel gestellt, das wegen heftiger Winde nicht wie vorgesehen auf dem Gipfel des Mont Ventoux wartete. Tags zuvor sah sich die Rennleitung zu dem Schritt gezwungen. Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometer wären für alle Beteiligten zu gefährlich gewesen. Selbst im Tal am Fuße des «kahlen Berges» war der Wind mehr als spürbar. Und noch immer blieb ein über neun Kilometer langer Anstieg auf den Mont Ventoux auf dem um sechs Kilometer verkürzten Teilstück.

Bereits 27 Kilometer vor dem Ziel war es zu einem Schreckmoment für Froome nach einem Sturz von Simon Gerrans gekommen. Der Australier war bei einem Tempo von 56,3 Stundenkilometern gestürzt, ein Sky-Teamkollege von Froome war dabei ebenfalls zu Fall gekommen. Der Brite stoppte, die Gruppe mit Gesamtsieg-Rivale Nairo Quintana attackierte nicht und wartete, bis Froome mit seinen Wasserträgern sie wieder erreicht hatte.

Weiter vorn fuhren der eigentlich für seine Sprintqualitäten bekannte Greipel und dessen Mitausreißern noch immer mit knapp zehn Minuten Vorsprung. Und auf einmal zog der 33-Jährige sogar davon, fuhr drei Kilometer mit knappem Vorsprung ganz vorneweg. Nach dem Kraftakt ging nicht mehr viel, Greipel wurde von den Mitausreißern eingeholt und fiel weiter zurück.

Dafür kam die Zeit für die Attacken ums Gelbe Trikot. 6,2 Kilometer löste sich Alejandro Valverde auf der Froome-Gruppe. Der Teamkollege von Herausforderer Nairo Quintana wurde nach gut einem Kilometer gestellt, und schon versuchte es Quintana selbst, Froome und dessen starkes Sky-Team herauszufordern, während der drittplatzierte Martin zu schwächeln begann. Aber nur zaghaft probierte es der Kolumbianer und konnte letztlich nichts ausrichten, ehe Froome im Stakkatotritt nun erstmals selbst attackierte. Aber nicht lange, der Sturz zerstörte Froomes Rennen, sorgte für hitzige Diskussionen und eine neue Hackordnung an der Spitze.