Weißer erschießt neun Afroamerikaner in US-Kirche

Ein weißer Amerikaner hat in einer Kirche in Charleston im Süden der USA neun Schwarze während einer Bibelstunde erschossen. Die Polizei sprach von einem «Verbrechen des Hasses» und vermutet Rassismus als Motiv.

Der 21-jährige Tatverdächtige flüchtete zunächst im Auto und wurde später bei einer Verkehrskontrolle festgenommen. Es handelt sich um eines der schwersten rassistischen Verbrechen seit Jahren in den USA. «Taten wie diese haben keinen Platz in einer zivilisierten Gesellschaft», erklärte Justizministerin Loretta Lynch am Donnerstag in Washington. 

Der 21-Jährige wurde nach Angaben der Behörden über 300 Kilometer vom Tatort entfernt bei einer Verkehrskontrolle in Shelby in North Carolina gestellt. Nach Informationen von US-Medien hatte der Verdächtige vor der Tat erklärt, er wolle Schwarze umbringen.

In den vergangenen Monaten hatten Gewalttaten weißer Polizisten gegen Afroamerikaner mehrfach für landesweite Empörung gesorgt. Das Verbrechen löste besonderes Entsetzen aus, weil erst im April im Nachbarort North Charleston - rund 15 Minuten mit dem Auto entfernt - ein Polizist von hinten einen flüchtenden Afroamerikaner erschossen hatte. Die Tat wurde auf einem Video festgehalten.

Nach dem Blutbat in der Kirche veröffentlichten die Behörden ein Foto, das den jungen Mann in einem Jackett zeigt, auf dem die Flaggen der ehemaligen Apartheidstaaten Südafrika und Rhodesien zu erkennen sind. «Der einzige Grund dafür, dass jemand in eine Kirche geht und Leute erschießt, ist Hass», sagte Charlestons Bürgermeister Joe Riley.

Das Verbrechen ereignete sich am Mittwochabend (Ortszeit) in Charleston im US-Staat South Carolina. Nach Angaben von Polizeichef Gregory Mullen betrat der Täter kurz nach 20 Uhr die Afrikanisch-methodistische Episkopalkirche. Zunächst habe er sich rund eine Stunde in der Kirche aufgehalten, bevor er geschossen habe.

Bei den Toten handelt es sich um drei Männer und sechs Frauen. Unter den Toten ist ein demokratischer Senator im Landesparlament, Clementa Pinckney. Er ist Pfarrer an der historischen «Mother Emanuel»-Kirche. Nach Gemeinde-Angaben ist sie das älteste Gotteshaus der Afrikanisch-methodistischen Episkopalkirche (AME) in den Südstaaten.

Acht Menschen starben nach offiziellen Angaben bereits am Tatort, ein weiteres Opfer im Krankenhaus. Bei allen neun Toten handelt es sich um Afroamerikaner. Das Justizministerium und die Bundespolizei FBI nahmen Ermittlungen wegen des Verdachts des Rassismus auf.

Weitere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Eine Überlebende berichtet laut lokalen Medien, der Täter habe ihr gesagt, er lasse sie leben, damit sie alles erzählen könne, was in der Kirche passiert sei. Es sei aber unklar, ob der Täter seine Opfer bewusst ausgewählt habe, sagte Polizeichef Mullen.

Nach dem Blutbad versammelten sich Gemeindemitglieder in der Nähe der Kirche und beteten. «Alles, was wir brauchen, ist Frieden», meinte ein junger Mann. Bürgermeister Riley rief die Bewohner der Stadt auf, angesichts des Verbrechens enger zusammenzurücken.